Posts mit dem Label Wanderung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wanderung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 16. Mai 2016

Die Wurmlinger Kapelle

Wanderung von Hohentübingen zur Wurmlinger Kapelle


Viel ist schon über diesen „Klassikerweg“ geschrieben und gesagt worden. Oft bin ich ihn während meiner Studienzeit in Tübingen gegangen und auch in den vielen Jahren danach. Die romantischste Variante ist zweifellos diejenige, die auf dem Schloss Hohentübingen beginnt. Einst stand an dieser Stelle eine mittelalterliche Burg, die als „castrum twingia“ 1078 erwähnt wurde. Hier residierten die Pfalzgrafen von Tübingen, bis sie Burg und Stadt 1342 an die Grafen von Württemberg veräußerten. Heute gehört das imposante Renaissanceschloss der Universität. Die Wanderung bietet nicht nur landschaftliche Höhepunkte und botanische Kostbarkeiten, sondern auch diverse kulinarische Genüsse. An der Schlosssteige beim Haagtorplatz, auf der man ebenfalls zur Burg hinauf kommt, kann man das Gartenhäuschen sehen, in dem Johann Wolfgang Goethe anno 1797 mit seinem Verleger Cotta weilte. Heimlich nenne ich diese Wanderstrecke „Dichterweg“, denn es mögen ihn viele große und kleinere Köpfe gegangen sein, die seit dem 18. Jahrhundert in Tübingen wohnhaft waren.
Und hier ist die Wegbeschreibung: Durch einen schmalen, geheimnisvollen Gang im hinteren Schlosshof geht es hindurch zum Schänzle, dann nochmal eine düstere Treppe hinab. Eine mittelalterliche Athmophäre, die jäh durch den Austritt an die Mauer unterbrochen wird. Man sieht das silberne Band des Neckars und das weite Land mit dem Rammert-Buckel und den Dörfern Hirschau, Bühl und Kiebingen. Vorbei an Verbindungshäusern und dem Bismarckturm erreicht man den Waldrand. Es geht ziemlich lange geradeaus durch einen Buchenmischwald. Auf halber Höhe kann man rechts hinab zum Schwärzlocher Hof steigen, einem beliebten, nicht nur studentischen Treffpunkt mit Mostbowle und schwäbischen Gerichten wie Mostbraten, Linsen mit Spätzle und Sauren Kutteln. Der Hof wurde schon im Jahr 1085 erwähnt. Von der Terrasse genießt man einen schönen Blick ins Ammertal. Wandert man weiter nach Wurmlingen, erreicht man schließlich, gegenüber der Kapelle, einen Wiesenhang, auf dem im späten Frühjahr Orchideen blühen. Zur Kapelle St. Remigius muss man wieder hinaufsteigen, wird aber mit einer noch großartigeren Aussicht belohnt. Ludwig Uhland unternahm im Jahr 1815 einen Spaziergang zur Wurmlinger Kapelle und verfasste das bekannte Gedicht: 

Droben stehet die Kapelle,
Schauet still ins Tal hinab.
Drunten singt bei Wies' und Quelle
Froh und hell der Hirtenknab.

Traurig tönt das Glöcklein nieder,
Schauerlich der Leichenchor;
Stille sind die frohen Lieder,
Und der Knabe lauscht empor.

Droben bringt man sie zu Grabe,
Die sich freuten in dem Tal;
Hirtenknabe, Hirtenknabe!
Dir singt man dort auch einmal.
Ludwig Uhland, (1787 - 1862), deutscher Dichter und Mitglied des Frankfurter Paulsparlamentes.

Während ihres Studiums der Theologie im Tübinger Stift unternahm der Dichter Eduard Mörike, der ebenfalls mit Uhland befreundet war, einmal im Winter einen Rodelausflug mit dem Feuerkopf Wilhelm Waiblinger und anderen. Nachdem sie dem Wein derart zugesprochen hatten, dass der Ephorus im Stift verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätte, purzelten sie nacheinander in den Schnee und mussten mit einer Kutsche nach Tübingen zurückgeschafft werden.
Die heutige Kapelle St. Remigius wurde im Jahr 1680 errichtet und enthält eine romanische Krypta aus dem frühen 12. Jahrhundert. Sie ist von Mai bis Oktober in der Regel jeden Sonntag von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Der Berg ist mit Weinreben, Esskastanien und einer mediteranen Vegetation bestanden. Bis in das Jahr 2004 gab es die Gaststätte „Kratzer“am Fuß des Kapellenberges. Bei einem Blick in den Bauerngarten kann man heute noch träumen von Heidelbeerwein, Most, Bier und deftigen Speisen. Das alljährliche Fleckenfest in Wurmlingen ist ebenfalls einen Besuch wert, nicht nur wegen seiner Oberländer Bratwürste mit Kartoffelsalat. Das nächste Fest findet vom 10.-11. September 2016 statt. Den Rückweg kann man durch das Ammertal nehmen oder aber mit der Ammertalbahn von Unterjesingen nach Tübingen fahren. (Halbstundentakt).


Hier noch eine exaktere Wegbeschreibung mit Schwierigkeitsgrad usw.








Dienstag, 28. Oktober 2014

Madeira-über das wilde Kap von Sâo Lourenço

Montag, 6. Oktober

Glücklicherweise verfügt Machico nicht über ein ausuferndes Nachtleben, einmal abgesehen von den nächtlichen Klängen aus der Pianobar des Hotels "Dom Pedro". So sind wir schon früh unterwegs zur Ponta de Sâo Lourenço, das nur wenige Kilometer entfernt ist. Die Wegstrecke ist total überschaubar, die Wanderführereinschätzung lautet "leicht bis mittelschwer"-Letzteres zu recht, nämlich 300m hinauf, 300m hinunter! Die Tücke liegt darin, dass der ganze Weg völlig schattenlos ist, die Sonne also die ganze Zeit auf den Schädel brennt, und sie liegt auch in den vielen, vielen Treppen. 
Das Kap von Sao Lourenco, ganz hinten die Casa Sardinha

Der Weg ist uneben und steinig, dafür sind die Ausblicke umso imposanter. Wir stellen also den Wagen auf den Parkplatz oberhalb des Wanderweges. Der scheint äußerst bekannt und beliebt zu sein, denn es kommen uns viele Wanderer, teils schweißüberströmt und mit erschöpften Gesichtern, entgegen. Und es laufen viele, viele mit uns den steinigen Weg. Runter und hoch und wieder runter. Dann kommt eine Stelle, an der man die steilen Felsen der Nordküste sehen kann; ein erfrischender Wind bläst die Hitze aus dem Körper und den Schnupfen aus der Nase. 
Aussichtspunkt mit Wind
Einige Kilometer weiter, hoch und runter und wieder hoch, ist das Ziel der Wanderung in Sicht: die palmenumstandene Casa Sardinha, eine Oase in der Meeres- und Steinwüste. 
Casa Sardinha

Die wilde Nordküste
Pflanzen, die sich in Felsen krallen
Später gelangten wir zu einem schmalen Grat, der an beiden Seiten steil abfällt und spektakuläre Blicke bietet. Er ist mit Drahtseilen gesichert. Zur Casa Sardinha geht es über eine steppenartige Hochfläche. Zu Hunderten huschen Eidechsen herum, die Vegetation ist karg und stachelig. In der Casa (endlich eine Toilette für einen Euro!) machen wir Mittagspause, herrlich entspannt im Palmenschatten. Auf die Besteigung des nächsten Gipfels verzichte ich und schlage mich stattdessen in die Felsen oberhalb der Klippen. David nimmt den Gipfel noch in Angriff, von oben gibt es fantastische Ausblicke auf den Rest der Landzunge und die Islas Desertas, die verlassenen Inseln.



Hier sieht man deutlich, wie das Magma einst den Vulkanschlot durchschlug

Es ist ein Augenblick für mich, in dem ich alles Vorgewesene vergesse und nicht an das denke, was kommen wird. Ich liege im warmen Gras, höre das Rauschen der Brandung weit unten, höre das Rascheln der Eidechsen und rieche den Maggigeruch der Macchia. In der Casa kann man ein kleines Museum besichtigen und sogar übernachten, mit angeschlossenem schwarzen Steinstrand weit unter am Meer. Aber alles ist einmal vorbei, und wir treten den Rückweg über die vielen Treppen an, hinauf und wieder hinunter. Da gab es schon Momente, in denen ich meine Grenzen gespürt habe. 

Strand der Casa Sardinha
Beim letzten langen Bogen vor der Aussichtsstelle mit den einzelnen Felsen in der Brandung sehen wir eine Frau, die mit Nordic-walking-Stöcken daherkommt. Nein, es ist kein Spaziergang, denn plötzlich ertönt ein Schrei, und die Frau stürzt ein Stück den Abhang hinunter. Wir eilen zu Hilfe, aber ihr Begleiter hat sie schon fest an der Hand. Wir warnen die beiden, dass der Weiterweg nicht unbedingt einfacher wird, und sie beschließen, bald umzukehren. Dann ist der letzte Anstieg auf Holzbohlen geschafft! Am Schluss werden unzählige Steinmännchen über uns sichtbar, die über die eifrigen Wanderer zu lachen scheinen. 
Steinmännchen
Wir sinken auf ein Mäuerchen am Straßenrand. In einem Wagen werden Eis und kalte Getränke verkauft. Nie hat mir ein Eis köstlicher geschmeckt als nach dieser doch recht anstrengenden Wanderung, aber nie war ich auch stolzer und glücklicher, es geschafft zu haben. Ein Stück weiter befindet sich eine "Prainha", ein kleiner, schwarzer, glitzernder Sandstrand, der am Wochenende überfüllt ist. Auch hier geht es wieder fast 100 Höhenmeter auf Treppen hinab (und wieder hinauf). Es erinnert mich ein wenig an Deja auf Mallorca, damals noch ein Geheimtipp, wie auch hier mit einer weißen Wirtschaft, großer Terrasse, Speisen und Getränken. Die Wellen schlagen an den Strand. Es ist eine Wohltat, in dem etwa 22° warmen Wasser zu schwimmen, sich treiben zu lassen, den Wolken am Himmel zuzuschauen, die wie jeden Tag vom Inselinneren auf die Küste zudrängen. Aber sie erreichen nicht das langestreckte Kap, das infolgedessen so kahl ist, und regnen sich stattdessen in den hohen Bergen ab. 

Ausgangspunkt: Parkplatz Ponta de Sâo Lourenço, Abzweigung an der Straße von Machico nach Porto da Cruz
Gehzeit: einfach 1 1/2 bis 2 Stunden
Gut markierter und gesicherter Wanderweg
300m Höhenunterschied
Wanderausrüstung
Kein Schatten, keine Einkehrmöglichkeit 

Erste Wanderung: Entlang der Levada von Ribeiro Frio nach Portela

Sonntag, 7. September 2014

Historische Wanderung rund um Ebershart

In Ebershard, gleich bei uns um die Ecke, wurde anlässlich der 700-Jahr-Feier des Ortes ein Rundwanderweg angelegt, der unspektakulär, aber sehr unterhaltsam, spannend und in seiner Art einzigartig ist. Der Räuber Hannikel soll hier sein Schlupfloch gehabt haben, es gab Pesttote, Geister, ein Wolfskind, einen Bader und noch vieles mehr. Der Weg beginnt am Rathaus neben der Kirche und weist mit insgesamt 29 Tafeln auf die Geschichte des Ortes zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert hin. Aus einem Kästchen neben der Tafel kann man den Wegverlauf sowie erste Hinweise auf die Relikte vergangener Zeiten entnehmen. Der Weg ist größtenteils geteert und daher auch mit Kinderwagen oder Fahrrad zu bewältigen. Man folgt in der Regel der gelben Raute, aufgrund der Wegbeschreibung sind die wissens- und sehenswerten Dinge aber nicht zu verfehlen. Wegen der schönen Schwarzwälder Landschaft und den Ausblicken auf das Nagoldtal ist diese Wanderung nicht nur für historisch Interessierte empfehlenswert. Weglänge 9-10 Km, 2 1/2 -3 Stunden. Anfahrt über A Stuttgart-Singen, Ausfahrt Rottenburg-Nagold, weiter nach Ebhausen-Ebershart, Parkplatz beim Rathaus.


Vorbei an schönen Häusern mit glücklichen Hühnergärten geht es zunächst einmal aus dem Dorf hinaus aufs Feld. Man blickt in ein Bachtal und gelangt zur nächsten Tafel, die das Dorfleben mit Gänsehüteplatz und Acker des Baders anschaulich beschreibt. Am Wegrand blühen Skabiosen und Glockenblumen, Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte, aus den Büschen leuchten Hagebutten. Nächste Station sind die Lehmgruben, etwas schweißtreibend hinauf, aus der sich früher jedermann vor allem beim Bau seines Hauses bedienen konnte. Was ich noch nicht wusste: Lehmbauweise war Armeleutesache, und so haben viele verschämt ihre Häuser später verputzt oder den Lehm übertüncht. Nach der Zigeunerwiese und dem Hopfengarten führt ein Waldweg zur runden Vertiefung eines Kohlenmeilers, der hier früher aufgeschichtet wurde. Es ist ein moosiger, dämmrig-grüner Tannenwald, in dem zur Zeit viele Pilze, vor allem Blutreizker, Parasol und Fliegenpilze wachsen.
                                        

Am Sportplatz vorbei gelangt man zum Ort des Fackelfeuers. Das Fackeln ist in dieser Gegend ein alter Brauch, der an Heiligabend nach der Kirche mit einem riesigen Feuer begangen wird. Ein kleines Stück die Straße entlang, und schon wandert man wieder hinab über die Felder, mit schönen Ausblicken auf die bewaldeten Berge und bis nach Nagold hinüber, an Maisfeldern entlang und zu Hütten, in deren Schatten sich die Apfelbäume bis zur Erde biegen. Überall liegen Äpfel und Zwetschgen herum. Der Himmel ist ein Wolkentheater, über dem Wald, in den ich noch hinunterwill, braut es sich schwarz zusammen. Gleichzeitig zieht ein Gewitter von Nagold herüber.
                                                      
Schnell noch zu den Schildern 10 und 11. Nummer 10 bezeichnet "Brommelgass und Totenweg." Früher wurden die Toten weither, sogar von Enzklösterle, nach Ebershart geschafft. Im Dreißigjährigen Krieg waren es die Pestleichen, die ihre Opfer auch bei den Leichenwagenfahrern forderten. Noch ein weiteres Schild zur Wasserversorgung, dann knallt aus dem Wald ein Donnerschlag. Über Nagold fährt ein Blitz zur Erde. Nein, da kann ich nicht hinuntergehen, wer weiß, ob ich da lebend wieder rauskomme! Also den Weg zurück und zum Dorf (was man übrigens an vielen Punkten dieser Wanderung machen kann). Die Gewitter lösen sich allmählich wieder auf. So ein Pech, war ich doch gespannt auf den Hannikelbrunnen. Der berüchtigte Räuber Hannikel hatte hier möglicherweise mit 29 Spießgesellen einen Schlupfwinkel. Auf jeden Fall hätten sie hier öfter ihre Pferde getränkt.

Wieder am Rand des Dorfes angekommen, gehe ich an Fachwerkhäusern und dem Schulzenhaus mit idyllischem Garten vorbei. Jetzt habe ich die Orientierung verloren, stehe an der Kirche und suche das Sühnekreuz, das für Opfer von Gewalttaten errichtet wurde. Dieses und eins im Wald waren für ein "Wolfskind" gedacht, das verschleppt und nie wieder gefunden wurde - bis auf einen Arm.


Ein älterer Radfahrer hält an und fragt mich, ob er mir helfen kann. Ja, ich suche den Geistgraben. Er sei ein alter Ebersharter, erzählt er, und kenne sich sehr gut aus. Da zurück zum Schulzenhaus, dann links. Außerdem sei ich ihm bekannt, er habe mich im Einkaufszentrum gesehen, sogar meinen Wagentyp kannte er. Also wieder zruück und rein in die Herrengärten. Dort wurde Flachs über einem Feuer verarbeitet und geschlagen. Und dann komme ich richtig zum Geistgraben. Lief man bei Nacht hier herum, so verspürte man ein schweres Gewicht im Kreuz. Auch irrlichterte es immer wieder, und da auf diesem Weg die Toten nach Ebhausen getragen wurden, munkelte man, das seien die Seelen der Verstorbenen.

Der Radfahrer kam mir entgegen, weil er sehen wollte, ob ich auch den rechten Weg gefunden hatte.
"Mit den Geistern hat man uns als Kinder erschreckt", meinte er. "Wir hatten immer Angst, da durchzugehen." Und zum Räuber Hannikel: "Die Leute haben den gemocht, weil er nur die Reichen bestohlen hat." Immerhin wurden dem Räuberhauptmann Morde zur Last gelegt, und der Sulzer Amtmann Georg Jakob Schäffer jagte ihn solange, bis er ihn schließlich in der Schweiz dingfest machen konnte. Er wurde 1786 zusammen mit zweien seiner Kumpels in Sulz gehängt. Zum Abschluss noch durch das winzige Industriegebiet zum Wasch- und Baderhaus. Irgendwann wurde das gemeinschaftliche Baden verboten, weil es immer freizügiger zuging. Doch war der Bader unendlich wichtig für die Dorfleute, weil Ärzte für sie nicht erreichbar und nicht bezahlbar waren.
                                                         
Jetzt taten mir doch ein wenig die Füße weh. Aber beim Abschluss dieser Wanderung war ich höchst zufrieden, denn ich hatte lange nicht gewusst, dass Hannikel, Gegenstand meiner Recherchen und eigentlich auch Randfigur meines momentanen Romanprojektes, so nah bei meinem Zuhause einen Schlupfwinkel besaß.






Dienstag, 3. September 2013

Felsen- und Burgenwanderung am Böllat

Neuerdings gibt es die Traufgänge oder Premiumwanderwege auf der schwäbischen Alb, alle im Großraum Balingen. Pfiffige Gastwirte haben sich dieses Konzept ausgedacht. Die Gefahr besteht darin, dass diese Punkte mit der Zeit überlaufen sind. Auf der anderen Seite können die Massen aber auch gelenkt werden,  und so kann ein etwas nachhaltigerer Tourismus entstehen. Der obenstehenden Karte am Parkplatz in Burgfelden kann man entnehmen, wie die ganze Tour verläuft. Sie ist 17 Km lang und führt von Burgfelden runter ins Wannental, zur Ruine Schalksburg, zu Mammutbäumen und vorbei am Felsenmeer ganz ins Tal, nach Margrethausen - und dann wieder steil hinauf. Das werden nicht sehr viele Leute machen, weil es eine  sehr gute Kondition erfordert. Wir sind vom Parkplatz (Pfeil) auf dem uns bekannten breiten, weißen Weg nach Nordosten gelaufen und zurück am Trauf bis zum Aussichtspunkt Böllat.
Burgfelden
Es gibt viele Ruhebänke mit immer wieder herrlichen Aussichten. Die umfassendste natürlich vom Böllat selbst.
Weiter geht es am Trauf entlang bis zur Abzweigung "Wannental-Lautlingen". Will man die große Tour machen, kann man hier hinuntersteigen. Unterwegs sieht man Felsköpfe mit Kiefern, die sich ins Gestein krallen. Auf diesen sehr empfindlichen Felsköpfen wachsen wäremliebende Pflanzen, im Frühjahr die Küchenschellen, Frühlingsspringkraut, später Hungerblümchen, Mauerpfeffer und Felsennelke.
Einige hundert Meter lang geht es durch den Ort, dessen Häuser alle schön ausgestattet und mit Blumen geschmückt sind. Über eine Wiese, auf der jetzt schon Herbstenziane stehen, erreicht man wieder den Trauf, auf dem man eine ganze Weile entlangspaziert.
Schließlich kommt eine Abzweigung zur Schalksburg, nur 600 Meter entfernt, aber einiges weiter unten. Das Immergrün deutet in den Bergen oft auf eine frühe Besiedlung hin. Es ist eine Ruine, die wir schon mal besucht hatten, eine der bedeutendsten Anlagen in Württemberg. Sie veranlasste Wilhelm Hauff und Gustav Schwab dazu, die Sage vom Hirschgulden wieder aufleben zu lassen, bei Hauff ging sie in das Werk "Das Wirtshaus im Spessart" ein. Wir gehen nun geradeaus weiter bis zum Grill- und Kinderspielplatz. Der geteerte Weg führt zum Heersberg und von da auf dem Muliweg bis zu der Stelle, an der er steil nach Margrethausen mit seinem Kloster hinabführt. Zwischendurch gibt es auch noch einen gesonderten Abstieg zum Felsenmeer, einer grandiosen Anhäufung von Brocken, die einst den Berg herabgedonnert sind. Muliweg heißt der Weg deswegen, weil in den Jahren 1940/1941dort deutsche Gebirgsjäger der 4. Gebirgsdivision (Enzian-Division) aufgestellt wurden. Sie mussten während ihrer Ausbildung fast täglich mit ihren Mulis diesen Aufstieg benutzen. Ein Gedenkstein erinnert an ihn und die Enzian-Division. Diesmal wenden wir uns wieder dem Ort Burgfelden zu und queren beim Parkplatz eine Wiese.

Am Dorfrand hat sich die Jugend ihr eigenes Refugium geschaffen. An Gärten mit riesigen Levkojenstauden vorbei erreichen wir die alte Michelskirche. In ihrem Inneren birgt sie kostbare Fresken aus dem 11. Jahrhundert.Sie ist nur mit einer Führung zu besichtigen.
Merkmale dieser Wanderung: 17 Km, schwierig, gute Kondition, Felsenmeer, Burgruine, Mammutbäume, Muliweg
Leichtere Fassung, von uns jetzt begangen: ca. 5 Km, Felsen, Traufwege, Aussichten, Wildblumen jeder Art

Anfahrt: Entweder über Balingen-Frommern Richtung Pfeffingen, dann rechts Richtung Burgfelden. Der Parkplatz ist rechts vorm Ort ausgeschildert. Oder über
Balingen-Bisingen hoch zum Stich, dann Irrenberg, Peffingen, Burgfelden.
Einkehrmöglichkeiten in Burgfelden: Landhaus Post
Im Sommer gibt es im Ort auch eine Gartenwirtschaft (keine HP), wo man Kaffee, Kuchen und kleinere Gerichte bekommt.

Montag, 6. Mai 2013

Eine Fußreise auf der schwäbischen Alb



 Wer sich einmal total verzaubern lassen will, der unternehme im Wonnemonat Mai eine Fußreise auf der schwäbischen Alb. Beginnen wir sie mit einer Latte Macchiato im Hotel "Fürstenhof" von Bad Imnau. Dieser Kurort liegt im Eyachtal, einem Seitental des Neckars, und ist von Tübingen, Rottenburg oder Horb aus leicht zu erreichen
 Bad Imnau verfügt über ein Stahlbad und darüber hinaus über einen ganz bezaubernden kleinen Kurpark, wo immer die ersten Frühlingsblüher stehen und wo ein Kräutergarten das ganze Jahr über Einblicke in die Geheimnisse der Würz- und Heilkunst gibt.

Weiter geht es über Bisingen (bei Balingen) auf die schwäbische Alb - ein ungeheurer Aufstieg in steilen Serpentinen. Etwas moderater kommt man über Balingen nach Pfeffingen. Wir sehen beim Hinauffahren, dass die Vegetation immer weiter zurückbleibt, im Schnitt sind es zwei Wochen. Also kann man in diesem Mai 2013, der durch den langen, kalten Winter bis in den späten April hinein sowieso zurück ist, oben noch Veilchen, gelbe und weiße Anemonen, die Frühlings-Platterbse und den Frühlings-Enzian sehen. Wir passieren den Parkplatz bei Zitterhof, der seit Einführung des Konzeptes "Traufwege" bei jedem Sonnenstrahl überfüllt ist. Am Parkplatz bei Pfeffingen gehen wir los. Diese Tour ist wohl schon länger kein Geheimtipp mehr, denn auf unserer Wanderung begegneten wir etwa dreißig Menschen in einer Gruppe, die dann weiter oben auf eine weitere halbe Hundertschaft von Wanderern traf und mit ihnen den neuesten Wanderklatasch austauschte.


Die Wanderung ist wenig spektakulär und eher etwas für Blumenliebhaber und Freunde schöner Landschaftsbilder. An der Schnabelhütte vorbei geht es auf einem Schotterweg in den Wald hinein. Den Schäferkarren, hier für die Waldarbeiter abgestellt, könnten wir gut für Exkursionen und stille Wochenenden gebrauchen!


Der Wald wird hier Hangbuchenwald genannt und er hat seine ganz eigene Vegetation. Neben oben genannten Pflanzenarten gibt es Wolfsmilch, Bärlauch und Lungenkraut, Veilchen in wahren Massen am Wegrand. Bald weist ein Pfeil zu einem Brunnen mit Bank und schöner Aussicht auf die Berge der Alb.



Je mehr wir uns dem eigentlichen Naturschutzgebiet am Irrenberg nähern, desto märchenhafter wird der Wald. Hier stehen die Buchen glatt und
senkrecht wie von Menschenhand aufgetsellt. Unendliche Teppiche des Bärlauchs breiten sich darunter aus und verströmen einen intensiven Duft nach Knoblauch. Sie ahben schon Knospen angesetzt, und bald werden filigrane weiße Blüten den Waldboden bedecken.



Hier sieht man ganz deutlich den Unterschied zwischen dem Bärlauch und den Blättern des Maiglöckchens. Die Maiglöckchenblätter kommen zusammengerollt aus dem Boden und haben keinen Knoblauchgeruch.


Weiter geht es in das Naturschutzgebiet hinein. Die Wiesen werden von den Naturschützern gepflegt, Schafe weiden auf den Hängen und halten das Gebiet waldfrei. Seltene Blumen wie Orchideen oder den Frühlingsenzian lassen sie stehen, weil sei zu bitter sind.

Ein richtiger, schöner Frühlingsweg! Nach Austritt aus dem Wald sind die Weg von Traubenhyazinthen gesäumt, die Küchenschellen sieht man nur noch als verblühte, fedrige Reste. Etwas später kann man hier auch Trollblumen sehen. An Herzschlag und Atemfrequenz wird man feststellen, dass es die ganze Zeit fast unmerklich bergauf gegangen ist. 





Der weiße Steinbrech





Die schwäbische Alb ist ein Land der hohen Himmel und Wolken, speziell hier am Irrenberg und bei der Salmendinger Kapelle ein Stück weiter Richtung Süden. Es ist überdies ein Land, in dem man hervooragend Krimis und historische Romane ansiedeln kann. So beginnt auch mein Roman, den ich schon lange schreiben wollte, in diesem Gebiet.





Inzwischen sind wir oben auf dem
Irrenberg angekommen. Man kann
sich nun nach rechts wenden und
zum Trauf hinübergehen.
Dort steht eine Bank, die für uns
die "Wintervesperbank" heißt.
Für den Rückweg gibt es nun mehrere Möglichkeiten. Entweder man dehnt die Wanderung noch aus und geht zurück zu den Hinweisschildern und am Pumpwerkhäuschen vorbei zum Trauf. Er bietet einen schmalen, meist trockenen Weg mit fantastischen Ausblicken ins Tal. Auf halber Höhe ste
ht ein Stein zum Gedenken an eine Frau in den Fünfzigern, die hier im 19. Jahrhundert in einer Oktobernacht abstürzte.
Was uns immer wieder zu der Frage führte: Warum um alles in der Welt ist diese Frau dort hinabgestürzt? Die wahre Antwort werden wir wohl niemals finden.
In Höhe der Bauernhöfe kann man zu einem geteerten Weg gelangen, der steil zu dem Wanderparkplatz zurückführt. Folgt man von der Bank am Trauf einem Wiesenweg, kann man nach einiger Zeit den Crisie- (Kirschen-)weg hinunersteigen und links auf dem Schnabelweg zurückgehen. Unsere geheime Variante ist nicht leicht zu finden, aber die schönste von allen. Auf dem Mountainbikeweg, dessen Name uns ein Hundebesitzer verriet, geht es durch lichten Buchenwald auf einem Grat über den beiden Tälern und dann steil hinab zum Parkplatz. Man sollte gut ausgerüstet sein, denn es gibt Passagen, in denen der Weg schweißtreibend ist und solche, auf denen ständig ein mehr oder weniger kalter Wind bläst - wie auf der Höhe des Irrenbergs. Es gibt keine Einkehrmöglichkeiten. Man kann die Fußreise bei einem Vesper in Bisingen, in Balingen oder an einem anderen Ort beenden. Wir nutzten die letzten warmen Sonnenstrahlen und kehrten endlich einmal im Brauhaus der Mönche, dem Klosterbräu in Zwiefalten ein. Hier, direkt am Kloster mit seiner prachtvollen Barockkirche, dem klaren Bach und den stillen Winkeln, wird seit über 400 Jahren gebraut und ausgeschenkt. Zum besonderen Anlass ließ ich mir saure Kuttel mit Bratkartoffeln schmecken, mein Begleiter ein Filettöpfle mit Nudeln vom Bauern.

Ausgangspunkt: Parkplätze am Zitterhof oder bei Pfeffingen Richtung Balingen.
Wanderstrecke 7-10 Km.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Kloster Bebenhausen und das Jagdschloss




Ein besonders schöner Ausflug in die nahe Umgebung Tübingens führt zum Kloster Bebenhausen. Das Kloster wurde vermutlich um 1183/84 von Prämonstratensermönchen gegründet. Im Jahr 1190 übernahmen es die Zisterzienser. Nach Aufhebung des Konvents in der Reformationszeit folgte die Gründung einer evangelischen Klosterschule. Dass es in diesem kalten, feuchten Tal erbaut wurde, ist wohl damit zu erklären, dass die Mönche immer nah am Wasser bauten. So hatten sie sogenannte Schöpfhamen (Netze), mit denen sie ihre Karpfen und Forellen fingen. Im Dormitorium mit seinem Schmuckziegelboden nahm ursprünglich alle Mönche auf, später wurden Zellen eingebaut. Über jeder Zellentür ist ein Antonius - oder Taufkreuz 
 eingraviert.
  
Die Räume enthalten ein oder zwei Betten, sind sonst völlig schmucklos. Geheizt wurde nur das Winterrefektorium. Im Scriptorium gibt es Leinwand, Tafel, Feder, Tintenhorn, Pergament und Bimsstein zum Glätten und Radieren zu sehen. Sehr intime Einblicke in das Leben der königlichen Familie erhält man bei der Besichtigung des Jagdschlosses, ehemals Abthaus. In den Räumen von Königin Charlotte steht ein echter Breughel – „Die Kirchweih“. Dann gibt es Ulmer Barockschränke aus dem 18. Jahrhundert sowie einen Schreibtisch aus dem 16. Jahrhundert. Die Räume waren schon Drehort für einen "Kommissar". Ein Schachspiel fällt ins Auge mit Figuren aus Walrossstoßzähnen, mit denen man gegen Napoleon kämpfen konnte. Die Küche vom Anfang des 19. Jahrhunderts mit ihrem Speiseaufzug und das moderne Bad sind sehenswert. Im Eingangsbereich hockten die Kutscher und warteten auf die Herrschaften. Ihre Pferde stellten sie in dem überdachten Vorbau ab.Monasterium sine amario quasi castrum sine armamentarium. Ein Kloster ohne Bibliothek ist wie eine Burg ohne Waffen. Leider ging die Bibliothek während der Reformation verloren. Sehr schön der Kreuzgang, das Parlatorium, der Kapitelsaal und der Klostergarten. Schlüpft man durch ein romantisches Törchen am Nordende, gelangt man zu dem Haus, in dem Eduard Mörike wenige Jahre vor seinem Tod zwei Mal weilte. Hier entstand 1863 sein Gedicht „Bilder aus Bebenhausen“. Im Juli 1874 besuchte Eduard die Familie Walther in Bebenhausen bei Tübingen. In dem Klosterdorf bei Tübingen begegnete er noch einmal vielen Menschen, darunter Isolde Kurz, der Tochter seines kürzlich verstorbenen Freundes Herrmann.


Eulenspiegel am Kreuzgang, was? Der verrufne Geselle
Als Gurtträger? Und wem hält er sein Spiegelchen vor?
Einem entrüsteten Mönch, der ganz umsonst sich ereifert;
Immer nur lachet der Schalk, weis’t ihm die Eule und lacht.
Eduard Mörike, Bilder aus Bebenhausen


Vom Haus, in dem Mörike zu Besuch war, hinter der Klostermauer, führt ein Sträßchen zu den Wirtschaftsgebäuden hinab. Zwischen ihnen hindurch beginnt ein Weg, der hinauf um Wald führt. Hier wandert man eine Zeitlang, mit Blick in das tiefer gelegene Wiesental mit Bach. Im Mai ist der Wald vom Knoblauchduft des Bärlauchs erfüllt. Weiter unten trifft man auf den Radweg, hier ist auch eine Grillstelle mit Spielplatz. Man kann nun immer dem Zeichen „Hohenentringen“ folgen. Einmal geht es scharf nach rechts (also nicht („Heuberger Tor“ folgen) und steil hinauf durch den Wald zum Schloss Hohenentringen. Vom Schloss hat man einen herrlichen Blick und kann sich mit Maultaschen, Schlachtplatte, Rahmschnitzel vom Halleschen Landschwein oder Zwiebelrostbraten stärken. Den Rückweg muss an sich erwandern, oder auf dem selben Weg zurückgehen. Auch in Bebenhausen ist die Gastronomie gut vertreten. In der Sonne treffen sich Pilger des Jakobsweges von Rothenburg nach Rottenburg. Die temporäre Tageskarte bietet eine gutbürgerliche schwäbische Küche, es gibt Fremdenzimmer und einen schönen Biergarten. Für gehobene Ansprüche gibt es das Waldhorn vorne an der Straße und das Landhotel Hirsch. Und es gibt weitere schöne Wanderwege in der Umgebung von Tübingen, nicht weit von Bebenhausen zum Beispiel in Einsiedeln mit Kloster, Schloss Graf Eberhards im Barte, der uns noch sehr oft begegnen wird, einem Wanderweg mit Römersteinen und einer Einkehrklause. Im Tal liegt der Badesee von Kirchentellinsfurt, dem beste Wasserqualität bescheinigt wird. 
Kässpätzle
Meine Ex-Schwiegermutter hatte es mir einmal beigebracht, wie man die Spätzle vom Teigbrett in das kochende Wasser bekommt. Früher war es ein Gütesiegel für die schwäbische Hausfrau, das perfekt hinzukriegen. Man muss den Teig nämlich schaben, das heißt mit einem Messer vom Rand des Brettes hinabkratzen.Das Eiweiß wird bis zum letzten Tropfen aus der Schale geholt, wie es sich für eine sparsame schwäbische Hausfrau gehört. Allerdings glaube ich nicht, dass es heute noch so gehandhabt wird, wenn man auch die alten Frauen noch sieht, die samstags auf den Dörfern die Straßen und Gehwege kehren

Zutaten:
400g Mehl
4 Eier
ca. 1/8l Wasser, 1 TL Salz
Salzwasser zum Kochen
250g Zwiebeln, Butter

Aus Mehl, Eiern, Wasser und Salz einen dicklüssigen Teig rühren und 10 Min. ruhen lassen. Spätzlebrett anfeuchte und 2-3 EL Teig dünn darauf verstreichen. Schmale Streifen in das Wasser schaben, aufwallen lassen und mit einem Schaumlöffel herausnehmen. In einerSchüssl warmstellen. Mit 200g geriebenem Emmentaler vermischen, mit goldgelb gebratenen Zwiebeln und einem grünen Salat servieren.