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Freitag, 8. März 2019

Bad Wildbad an der Enz




Wildbad an der Wilden Enz





Aus Ludwig Uhlands Balladen erfährt man, dass Württembergs hohe Herren bereits im Mittelalter dieses Bad aufsuchten, „um ihre gichtgepeinigten Gliedmaßen zu pflegen.“ Badeordnung um 1549: Erstlich soll kein Badegast mit einem nassen, sondern mit einem trockenen Badhemd eingehen ...“ Aus dem gleichen Jahr 1549 eine Wirtordnung: „Item 1 Voressen um 4 Heller, Brühe und Fleisch um 4 Heller, 1 paar gesottene Eier um 3 Heller, ein Gemüse um 2 Heller.“ Nur hier sprudeln im Übrigen heiße Quellen, während in anderen Bädern das Wasser erwärmt werden muss. Bad Wildbad hat von jeher einen besonderen Bezug zu dem berühmten italienischen Komponisten Rossini gehabt, der 1856 einige Wochen im Ort verbrachte und in den Thermen neue Energie tankte. Ein Jahr später - nach jahrzehntelanger Unterbrechung - begann Rossini wieder zu komponieren. Eine reizvolle kleine Plastik am Ufer der Enz zeigt Rossini mit schmerzgekrümmten Rücken. Mit der Thermallandschaft wurde ein „Badetempel“ geschaffen, der die angenehmen Seiten des Wassers mit einer Raumgestaltung verbindet, die an sakrale Vorbilder erinnert. Man schwimmt unter den Kuppeln der Gesellschaftsbäder oder lässt sich treiben. Eine Venus, kleine Massagebecken und mit Skulpturen versehene Sitzbecken ergeben zusammen mit den farbigen Fenstern eine großartige Atmosphäre. Ein kleines Bademuseum gibt einen Überblick über die Wildbader Badegeschichte.12 Thermalpools als Whirlpools stehen für die Gäste bereit, Massagebecken, Sprudelbecken, Bewegungs- und Kaltbecken, mehrere Solarien, Schwallduschen, Wärmebänke, 4 finnische Saunen 75 - 95°C mit und ohne Aufguss, ein Römisches Dampfbad, Fürstensuiten zum Ruhen, Tauchbecken, Cafeteria, Bar, Kneippsche Fußbecken, Wellnessanwendungen, Klangmeditationen und: Baden mit und ohne Badebekleidung ist möglich. Fühlt man sich gestärkt durch die Anwendung des Wassers, kann man sich im wunderschönen Kurpark ergehen. Er wurde 1699 durch Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg gebaut, zunächst als eine Hainbuchenallee entlang der Enz. Daraus entwickelt sich ein Park mit 15Km Wegenetz, wobei man die steilen Hänge zu beiden Seiten der Enz natürlich integrierte. Es gibt beschauliche Plätze wie den "Rosengarten", den "Schwanensee" mit weißen und schwarzen Schwänen, die "Englische Kirche", den "Maurischen Pavillon" oder das "Schwarzwälder Mühlrad". Aktive Gäste finden hier Tennisplätze, einen Radweg, Nordic Walking-Strecken und für die Kinder einen Matschplatz mit Barfußpfad. Selbst im Winter ist der Besuch des Parks entdeckungsreich, wenn das Wasser der Enz fast schwarz über die Steine sprudelt und gelbe Blätter auf der Oberfläche treiben. Der Kurpark ist immer geöffnet. Die Endhaltestelle der Stadtbahn S6 endet am Kurparkeingang. Es gibt auch weniger bekannte kleine Wege, die oberhalb vom Rosengarten beginnen, mit Springbrunnen und Marmorfiguren. Die Sommerberg-Bahn transportiert ihre Gäste vom Uhlandplatz in weniger als zehn Minuten zum beliebten Ausflugsziel und Wohngebiet Sommerberg, dort gibt es Rad- und Wanderwege, die bis zum Wildseemoor führen. Die Aussicht auf Stadt und bewaldete Berge ist fantastisch. Einige Höhenrestaurants sorgen für das leibliche Wohl. 
Im Park lässt sich die Enz auf zahlreichen Brücken überqueren, das Bürgerhaus, mit herrlicher Jugendstilausschmückung, prächtigen, holzvertäfelten Säulen sowie einem kleinen Kutschenmuseum  runden den Besuch der Badestadt ab. Nach Baden-Baden, der großen Schwester, kann man immer noch fahren, es ist ja nicht weit. Doch Wildbad ist nicht nur eine Erholungs-, sondern auch eine Fest-, Einkaufs- und kulinarische Stadt. Alljährlich im Juli strömen die Musikfreunde hierher, wenn das Belcanto-Festival "Rossini in Wildbad" stattfindet. Die S-Bahn verkehrt zwischen Karlsruhe und Bad Wildbad, hat ihren Endhaltepunkt direkt vor dem Kurpark. Einkaufen und schlemmen kann der Gast überall. Besonders zu erwähnen sind die Geschäfte mit Schwarzwälder Schinken und geräucherten Schäufele, Schwarzwälder Honig und die Confiserien mit allerlei leckeren Pralinen. Wer nicht über eine Kurverordnung nach Wildbad kommt, kann auch die Pauschalen in Anspruch nehmen, die 2-3 Tage umfassen. Zum Beispiel eine Thermen-Pauschale, einen Enztal Mini-Trip oder „Abenteuer Natur im Enztal“ mit Besuch des Wald-Klettergartens und der Hochmoore.


Auf über 3.000qm bietet Enzklösterle zentral in der Ortsmitte einen völlig neuen, innovativen Adventure Golfpark. Die 18 Bahnen sind an die natürliche Umgebung angepasst. 
 Neuenbürg im wildromantischen Tal der Enz mit Besucherbergwerk und Schloss. Im Schloss befindet sich das Wilhelm-Hauff-Museum mit einem begehbaren Film „Das kalte Herz.“

Schließlich und endlich wäre noch der Enztalradweg zu erwähnen, der von der Quelle der Enz  bis zu ihrer Mündung in den Neckar führt, die Goldschmuckstadt Pforzheim und die Sommerrodelbahn in Poppental. Neueste und momentan wohl stärkste Attraktion ist die Hängebrücke "Wild Line" - ein Höhenabenteuer im nördlichen Schwarzwald! https://www.bad-wildbad.de/wildline/wildline/


Mittwoch, 28. November 2018

Peter Wohlleben: Der mit dem Wald spricht

Eigenes Foto: Oktober 2018 auf der schwäbischen Alb
Gestern kam die vorerst letzte Sendung über den Bestseller-Autor und Förster Peter Wohlleben: Diesmal war er mit Cordula Stratmann und Mickey Beisenherz unterwegs im Soonwald im Hunsrück. Nach den vorhergehenden Sendungen wieder ein absolutes Highlight! Zitterpappeln, die ihre Kinder in die umliegenden Wiesen schicken, Bäume, die ihren Unrat abwerfen und ihn dann mit Blätter-Klopapier abdecken, Baum-Familien, Hute-Eichen und eine Übernachtung bei 2° und einem eisigen Wind ...alle Folgen, unter anderem mit Denis Scheck, Sven Plöger, Pierre M. Krause usw. können noch ein Jahr lang in der Mediathek abgerufen werden.



Sonntag, 30. September 2018

Im Herbst

Vor ein paar Tagen sind wir über die Hochfläche gelaufen, die sich über dem Tal der Steinach
erstreckt. Unten liegen das Dorf und die kleine Stadt, in denen wir leben. Die Landschaft ist vielfältig, man kann die schwäbische Alb als ferne blaue Mauer sehen und die Höhen des Schwarzwaldes mit den sich drehenden Spargeln. Einmal ist uns in der beginnenden Nacht eine große Eule entgegengeflogen. Heute dominieren die Herbstfarben, vergilbende Sonnenblumen, weiße Stiele der abgeernteten Maisfelder, dicke, zwanzig Meter lange Spinnenfäden segeln durch die Luft. Ein Schwarm von Staren kreischt in einer alten Kiefer, sie warnen vor uns, erheben sich wie eine riesige Wolke in die Luft und fallen von hinten wieder ein. Da kommt ein Mann mit einem Jagdhund, es ist ein freundlicher Hund. Er berichtet, dass er Jäger ist und nach einer Rotte Schwarzwild sucht, die sich hinten im Wald versteckt, die verwüsten die Felder der Bauern. Ja, er wird auch das eine oder andere Wildschwein abschießen. Wir wandern weiter, in einem Pferch stehen Schafe mit halbwüchsigen Lämmern. Die sind voller Ruhe, sie tun nichts als weiden und ihren Nachwuchs aufziehen. Es ist ein absoluter Einklang, hier stört nichts die Natur und die Menschen, die sich darin bewegen. Und es gibt ein schönes Herbstgedicht von Turgenjew, das mir gut zu passen scheint.

Iwan S. Turgenjew (1818-1883)

Ich lieb den Herbst

Ich lieb den Herbst, im Blicke Trauer.
In stillen Nebeltagen geh
Ich oft durch Fichtenwald und seh
Vor einem Himmel, bleich wie Schnee,
Durch Wipfel wehen dunkle Schauer.
Ich lieb, ein herbes Blatt zu Brei
Zu kauen, lächeln zu zerstören
Den Traum, dem wir so gern gehören.
Fern des Spechtes scharfer Schrei!
Das Gras schon welk...schon starr vor Kühle,
Von hellen Schleiern überhaucht.
In mir das Weben der Gefühle,
Das Herz in Bitternis getaucht...
Soll ich Vergangenes nicht beschwören?
Soll, was da war, nie wieder sein?
Die Fichten nicken dunkel, hören
Gelassen zu und flüstern Nein.
Und da: ein ungeheures Lärmen,
Ein Ineinanderwehn von Zweigen,
Ein Rauschen wie von Vogelschwärmen,
Die, einem Ruf gehorchend, steigen.

Freitag, 9. September 2016

Altweibersommer






                                         

O trübe diese Tage nicht

              O trübe diese Tage nicht,
 Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
   Und unser Winter bricht herein.

   Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
    Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil man's nicht mehr erhoffen mag,
Dass so die Stunde wiederkehrt.

Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn' uns jede Stunde ganz.
(1819 - 1898), dt. Schriftsteller, Journalist, Erzähler und Theaterkritiker

Sonntag, 24. Januar 2016

Winter im Schwarzwald

In diesem Jahr wurde uns eine ganze Woche reiner Winter beschert. Ein Moment zum Innehalten . mit dem Blick auf die Schwarzwaldberge bei Nagold. Das Sonnenwetter zusammen mit dem Schnee trieb Hunderte zu Spaziergängen üer die Höhen, auf die Loipen und Pisten. Als Urlaubsziel wird der Schwarzwald immer beliebter, zusammen mit Bayern steht Baden-Württemberg ganz oben auf der Wunschliste.

Das heutige Schmuddelwetter habe ich dazu genutzt, Ordnung in meinen Blog "Orte zum Reinschmecken" zu bringen. Habe einiges gelöscht, anderes in regionale und Sach-Kategorien  unterteilt. So findet sich der Besucher besser auf der Seite zurecht, anstatt nach anderen Beiträgen lange scrollen zu müssen. Es gibt jetzt die Kategorien "Wanderungen", "Schwäbische Alb", "Neckarland", "Schwarzwald", "Hohenlohe und Stromberg", "Oberschwaben und schwäbisches Allgäu" sowie "Bodensee." Eine Extrasparte gab es für den Dichter Daniel Schubart und für die Blumeninsel Madeira. In der nächsten Zeit wird das laufend ergänzt und es sollen immer wieder neue Beiträge dazukommen. Jetzt wünsche ich viel Spaß beim Stöbern auf der Seite - es ist für jeden etwas dabei.

Sonntag, 7. September 2014

Historische Wanderung rund um Ebershart

In Ebershard, gleich bei uns um die Ecke, wurde anlässlich der 700-Jahr-Feier des Ortes ein Rundwanderweg angelegt, der unspektakulär, aber sehr unterhaltsam, spannend und in seiner Art einzigartig ist. Der Räuber Hannikel soll hier sein Schlupfloch gehabt haben, es gab Pesttote, Geister, ein Wolfskind, einen Bader und noch vieles mehr. Der Weg beginnt am Rathaus neben der Kirche und weist mit insgesamt 29 Tafeln auf die Geschichte des Ortes zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert hin. Aus einem Kästchen neben der Tafel kann man den Wegverlauf sowie erste Hinweise auf die Relikte vergangener Zeiten entnehmen. Der Weg ist größtenteils geteert und daher auch mit Kinderwagen oder Fahrrad zu bewältigen. Man folgt in der Regel der gelben Raute, aufgrund der Wegbeschreibung sind die wissens- und sehenswerten Dinge aber nicht zu verfehlen. Wegen der schönen Schwarzwälder Landschaft und den Ausblicken auf das Nagoldtal ist diese Wanderung nicht nur für historisch Interessierte empfehlenswert. Weglänge 9-10 Km, 2 1/2 -3 Stunden. Anfahrt über A Stuttgart-Singen, Ausfahrt Rottenburg-Nagold, weiter nach Ebhausen-Ebershart, Parkplatz beim Rathaus.


Vorbei an schönen Häusern mit glücklichen Hühnergärten geht es zunächst einmal aus dem Dorf hinaus aufs Feld. Man blickt in ein Bachtal und gelangt zur nächsten Tafel, die das Dorfleben mit Gänsehüteplatz und Acker des Baders anschaulich beschreibt. Am Wegrand blühen Skabiosen und Glockenblumen, Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte, aus den Büschen leuchten Hagebutten. Nächste Station sind die Lehmgruben, etwas schweißtreibend hinauf, aus der sich früher jedermann vor allem beim Bau seines Hauses bedienen konnte. Was ich noch nicht wusste: Lehmbauweise war Armeleutesache, und so haben viele verschämt ihre Häuser später verputzt oder den Lehm übertüncht. Nach der Zigeunerwiese und dem Hopfengarten führt ein Waldweg zur runden Vertiefung eines Kohlenmeilers, der hier früher aufgeschichtet wurde. Es ist ein moosiger, dämmrig-grüner Tannenwald, in dem zur Zeit viele Pilze, vor allem Blutreizker, Parasol und Fliegenpilze wachsen.
                                        

Am Sportplatz vorbei gelangt man zum Ort des Fackelfeuers. Das Fackeln ist in dieser Gegend ein alter Brauch, der an Heiligabend nach der Kirche mit einem riesigen Feuer begangen wird. Ein kleines Stück die Straße entlang, und schon wandert man wieder hinab über die Felder, mit schönen Ausblicken auf die bewaldeten Berge und bis nach Nagold hinüber, an Maisfeldern entlang und zu Hütten, in deren Schatten sich die Apfelbäume bis zur Erde biegen. Überall liegen Äpfel und Zwetschgen herum. Der Himmel ist ein Wolkentheater, über dem Wald, in den ich noch hinunterwill, braut es sich schwarz zusammen. Gleichzeitig zieht ein Gewitter von Nagold herüber.
                                                      
Schnell noch zu den Schildern 10 und 11. Nummer 10 bezeichnet "Brommelgass und Totenweg." Früher wurden die Toten weither, sogar von Enzklösterle, nach Ebershart geschafft. Im Dreißigjährigen Krieg waren es die Pestleichen, die ihre Opfer auch bei den Leichenwagenfahrern forderten. Noch ein weiteres Schild zur Wasserversorgung, dann knallt aus dem Wald ein Donnerschlag. Über Nagold fährt ein Blitz zur Erde. Nein, da kann ich nicht hinuntergehen, wer weiß, ob ich da lebend wieder rauskomme! Also den Weg zurück und zum Dorf (was man übrigens an vielen Punkten dieser Wanderung machen kann). Die Gewitter lösen sich allmählich wieder auf. So ein Pech, war ich doch gespannt auf den Hannikelbrunnen. Der berüchtigte Räuber Hannikel hatte hier möglicherweise mit 29 Spießgesellen einen Schlupfwinkel. Auf jeden Fall hätten sie hier öfter ihre Pferde getränkt.

Wieder am Rand des Dorfes angekommen, gehe ich an Fachwerkhäusern und dem Schulzenhaus mit idyllischem Garten vorbei. Jetzt habe ich die Orientierung verloren, stehe an der Kirche und suche das Sühnekreuz, das für Opfer von Gewalttaten errichtet wurde. Dieses und eins im Wald waren für ein "Wolfskind" gedacht, das verschleppt und nie wieder gefunden wurde - bis auf einen Arm.


Ein älterer Radfahrer hält an und fragt mich, ob er mir helfen kann. Ja, ich suche den Geistgraben. Er sei ein alter Ebersharter, erzählt er, und kenne sich sehr gut aus. Da zurück zum Schulzenhaus, dann links. Außerdem sei ich ihm bekannt, er habe mich im Einkaufszentrum gesehen, sogar meinen Wagentyp kannte er. Also wieder zruück und rein in die Herrengärten. Dort wurde Flachs über einem Feuer verarbeitet und geschlagen. Und dann komme ich richtig zum Geistgraben. Lief man bei Nacht hier herum, so verspürte man ein schweres Gewicht im Kreuz. Auch irrlichterte es immer wieder, und da auf diesem Weg die Toten nach Ebhausen getragen wurden, munkelte man, das seien die Seelen der Verstorbenen.

Der Radfahrer kam mir entgegen, weil er sehen wollte, ob ich auch den rechten Weg gefunden hatte.
"Mit den Geistern hat man uns als Kinder erschreckt", meinte er. "Wir hatten immer Angst, da durchzugehen." Und zum Räuber Hannikel: "Die Leute haben den gemocht, weil er nur die Reichen bestohlen hat." Immerhin wurden dem Räuberhauptmann Morde zur Last gelegt, und der Sulzer Amtmann Georg Jakob Schäffer jagte ihn solange, bis er ihn schließlich in der Schweiz dingfest machen konnte. Er wurde 1786 zusammen mit zweien seiner Kumpels in Sulz gehängt. Zum Abschluss noch durch das winzige Industriegebiet zum Wasch- und Baderhaus. Irgendwann wurde das gemeinschaftliche Baden verboten, weil es immer freizügiger zuging. Doch war der Bader unendlich wichtig für die Dorfleute, weil Ärzte für sie nicht erreichbar und nicht bezahlbar waren.
                                                         
Jetzt taten mir doch ein wenig die Füße weh. Aber beim Abschluss dieser Wanderung war ich höchst zufrieden, denn ich hatte lange nicht gewusst, dass Hannikel, Gegenstand meiner Recherchen und eigentlich auch Randfigur meines momentanen Romanprojektes, so nah bei meinem Zuhause einen Schlupfwinkel besaß.






Mittwoch, 30. Juli 2014

Bäderromantik im Schwarzwald


Bad Wildbad
Am letzten Wochenende war ein Tripp in den hochsommerlichen Schwarzwald angesagt. Am Freitag, in Bad Liebenzell mussten wir uns vor Gewitterfluten ins Kurhaus flüchten, verbrachten etliche kalte Minuten unter dem Kuppeldach aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein seriös aussehender Herr erklärte uns die momentane Bäderkultur, derweil wir angstvoll-entzückt auf die Blitze starrten, die vor dem Kurhaus niedergingen und dem Grollen des Donners lauschten. Die Badekultur sei arg im Niedergang begriffen, erzählte der Herr. Baden-Baden hätte natürlich schon noch einen großen Namen, aber selbst in einst so bedeutenden Orten wie Bad Wildbad sei eigentlich nichts mehr los. Das hatten wir bei verschiedenen Besuchen ebenfalls bemerkt, alles war noch da, aber die Straßen wirkten öd und verlassen. Überall werden Versuche gestartet, wieder mehr Gäste anzulocken, aber auf die ganz normale altmodische Art klappt das wohl nicht mehr. Wer wirklich Ruhe haben will, ist in diesen Bädern gewiss gut aufgehoben. Und was das Altmodische betrifft: Nostalgie-Fans kommen in Bad Liebenzell voll auf ihre Kosten! Da gibt es die Konzertmuschel, da drehen am Nachmittag die Senioren beim Tanztee ihre Runden, im Kurpark gibt es einen großen Apothekergarten, und mehrmals im Sommer wird ein Lichterfest mit gigantischem Feuerwerk veranstaltet. Am Sonntag dann, bei herrlichstem Sonnenschein, fuhren wir durch das Tal der Großen Enz nach Bad Wildbad. 
An diesem Tag war der Ort noch einmal zu vollem Glanz erblüht, denn es endeten nicht nur die Rossini-Tage, nein, die Stadt hatte auch zu einem Tag der offenen Tür geladen. Sorglose Menschen flanierten in den Straßen, um das Kurhaus, das Rossini-Hotel und im Kurpark, Eistüten in den Hand oder einen Kaffee oder Wein vor sich auf dem Tisch. Ein immer wieder bezaubernder Ort, der es verdient hat, besucht zu werden.  Hauptanziehungspunkt ist natürlich der Palais Thermal. An einem verregneten Sonntag im Winter stand ich einmal mit meinem Sohn vor einer endlos langen Schlange in diesem Badepalast, dessen orientalisch angehauchten Luxus ich schon immer einmal kennenlernen wollte! Wir mussten in ein älteres Bad ausweichen (Vital-Bad), das irgendwie an DDR-Zeiten erinnerte. ;-)
Hotel Rossini

Leider gibt es den Schinkenladen mit dem Schwarzwälder Schnaps nicht mehr, die Confiserie mit den köstlichen Pralinen, Geleefrüchten und Schokoladen-Mandel-Splittern schließt im August. Da war selbst ich, die nicht so sehr auf Süßigkeiten steht, mehrfach schwach geworden. In meinen Dateien habe ich eine Beschreibung Wildbads unter den „Orten zum Reinschmecken“ aus dem Jahr 2010 gefunden und gebe sie einfach mal kommentarlos wieder.
Palais Thermal
Der Sage nach wurde im Jahr 1367 Graf Eberhard der Zweite von Württemberg, der Greiner, im Wildbad von den Martinsvögeln überfallen. Mit knapper Not konnte er entkommen und rettete sich auf seine Burg Zavelstein. In Ludwig Uhlands Gedicht "Der Überfall im Wildbad" wird das glorreich dargestellt. Aus Uhlands Balladen erfährt man, dass Württembergs hohe Herren bereits im Mittelalter dieses Bad aufsuchten, „um ihre gichtgepeinigten Gliedmaßen zu pflegen.“ Badeordnung um 1549: Erstlich soll kein Badegast mit einem nassen, sondern mit einem trockenen Badhemd eingehen ...“ Aus dem gleichen Jahr 1549 eine Wirtordnung: „Item 1 Voressen um 4 Heller, Brühe und Fleisch um 4 Heller, 1 paar gesottene Eier um 3 Heller, ein Gemüse um 2 Heller.“ Seit dem Jahr 1811 war der Poet und Mörike-Freund Justinus Kerner Badearzt in Wildbad und schrieb ein Buch über seine Erfahrungen. Nur hier sprudeln im Übrigen heiße Quellen, während in anderen Bädern das Wasser kalt sprudelt und erwärmt werden muss. Im 19. Jahrhundert waren Reisen ins Bad nicht mehr kompliziert, das Leben bürgerlich-beschaulich. 
Badehaus

Wildbads Park ist märchenhaft angelegt, das Bürgerhaus innen eine Sensation in seiner Jugendstil-Ausschmückung mit einem kleinen Museum. Bad Wildbad hat von jeher einen besonderen Bezug zu dem berühmten italienischen Komponisten Rossini, der 1856 einige Wochen im Ort verbrachte und in den Thermen neue Energie tankte. Ein Jahr später - nach jahrzehntelanger Unterbrechung - begann Rossini wieder zu komponieren. Eine reizvolle kleine Plastik zeigt Rossini mit schmerzgekrümmten Rücken.Mit dieser Thermallandschaft wurde ein „Badetempel“ geschaffen, der die angenehmen Seiten des Wassers mit einer Raumgestaltung verbindet, die an sakrale Vorbilder erinnert. Man schwimmt unter den Kuppeln der Gesellschaftsbäder oder lässt sich treiben. Eine Venus, kleine Massagebecken und mit Skulpturen versehene Sitzbecken ergeben zusammen mit den farbigen Fenstern eine großartige Atmosphäre. Ein kleines Bademuseum gibt einen Überblick über die Wildbader Badegeschichte.
Bademuseum im Bürgerhaus
Fühlt man sich gestärkt durch die Anwendung des Wassers, kann man sich im wunderschönen Kurpark ergehen. Er wurde 1699 durch Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg gebaut, zunächst als eine Hainbuchenallee entlang der Enz. Daraus entwickelt sich ein Park mit 15Km Wegenetz, wobei man die steilen Hänge zu beiden Seiten der Enz natürlich integrierte. Es gibt beschauliche Plätze wie den "Rosengarten", den "Schwanensee" mit weißen und schwarzen Schwänen, die "Englische Kirche", den "Maurischen Pavillon" oder das "Schwarzwälder Mühlrad".
Kurpark
Aktive Gäste finden hier Tennisplätze, einen Radweg, Nordic Walking-Strecken und für die Kinder einen Matschplatz mit Barfußpfad. Selbst im Winter ist der Besuch des Parks entdeckungsreich, wenn das Wasser der Enz fast schwarz über die Steine sprudelt und gelbe Blätter auf der Oberfläche treiben.Der Kurpark ist immer geöffnet. Die Endhaltestelle der Stadtbahn S6 endet am Kurparkeingang, mit Anschluss nach Karlsruhe oder Bietigheim-Bissingen. Mit der Sommerberg-Bahn kann man vom Uhlandplatz in weniger als zehn Minuten zum beliebten Ausflugsziel und Wohngebiet Sommerberg fahren, mit Rad- und Wanderwegen bis zum Wildseemoor. Die Aussicht auf Stadt und bewaldete Berge ist fantastisch. Einige Höhenrestaurants sorgen für das leibliche Wohl. Über zahleiche kleine Brücken lässt sich die Enz überqueren, das Bürgerhaus, mit herrlicher Juendstilausschmückung, prächtigen, holzvertäfelten Säulen sowie einem kleinen Museum über Kutschen runden den Besuch der kleinen Badestadt ab. Nach Baden-Baden, der großen Schwester, kann man immer noch fahren, es ist ja nicht weit. Doch Wildbad ist nicht nur eine Erholungs-, sondern auch eine Fest-, Einkaufs- und kulinarische Stadt. Alljährlich im Juli strömen die Musikfreunde hierher, wenn das Belcanto-Festival "Rossini in Wildbad" stattfindet. Einkaufen und schlemmen kann der Gast überall. 

 
Besonders zu erwähnen sind die Geschäfte mit Schwarzwälder Schinken und geräucherten Schäufele, Schwarzwälder Honig und die Confiserien mit allerlei leckeren Pralinen. Wer nicht über eine Kurverordnung nach Wildbad kommt, kann auch die Pauschalen in Anspruch nehmen, die 2-3 Tage umfassen. Zum Beispiel eine Thermen-Pauschale, einen Enztal Mini-Trip oder „Abenteuer Natur im Enztal“ mit Besuch des Wald-Klettergartens und der Hochmoore.
Ausflugstipps:

Neuenbürg im wildromantischen Tal der Enz mit Besucherbergwerk und Schloss. Im Schloss befindet sich das Wilhelm-Hauff-Museum mit einem begehbaren Film „Das kalte Herz.“
Schließlich und endlich wäre noch der Enztalradweg zu erwähnen, der von der Quelle der Enz bis zu ihrer Mündung in den Neckar führt, die Goldschmuckstadt Pforzheim und die Sommerrodelbahn in Poppental.
Anfahrt Bad Liebenzell
Anfahrt Bad Wildbad