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Freitag, 8. März 2019

Bad Wildbad an der Enz




Wildbad an der Wilden Enz





Aus Ludwig Uhlands Balladen erfährt man, dass Württembergs hohe Herren bereits im Mittelalter dieses Bad aufsuchten, „um ihre gichtgepeinigten Gliedmaßen zu pflegen.“ Badeordnung um 1549: Erstlich soll kein Badegast mit einem nassen, sondern mit einem trockenen Badhemd eingehen ...“ Aus dem gleichen Jahr 1549 eine Wirtordnung: „Item 1 Voressen um 4 Heller, Brühe und Fleisch um 4 Heller, 1 paar gesottene Eier um 3 Heller, ein Gemüse um 2 Heller.“ Nur hier sprudeln im Übrigen heiße Quellen, während in anderen Bädern das Wasser erwärmt werden muss. Bad Wildbad hat von jeher einen besonderen Bezug zu dem berühmten italienischen Komponisten Rossini gehabt, der 1856 einige Wochen im Ort verbrachte und in den Thermen neue Energie tankte. Ein Jahr später - nach jahrzehntelanger Unterbrechung - begann Rossini wieder zu komponieren. Eine reizvolle kleine Plastik am Ufer der Enz zeigt Rossini mit schmerzgekrümmten Rücken. Mit der Thermallandschaft wurde ein „Badetempel“ geschaffen, der die angenehmen Seiten des Wassers mit einer Raumgestaltung verbindet, die an sakrale Vorbilder erinnert. Man schwimmt unter den Kuppeln der Gesellschaftsbäder oder lässt sich treiben. Eine Venus, kleine Massagebecken und mit Skulpturen versehene Sitzbecken ergeben zusammen mit den farbigen Fenstern eine großartige Atmosphäre. Ein kleines Bademuseum gibt einen Überblick über die Wildbader Badegeschichte.12 Thermalpools als Whirlpools stehen für die Gäste bereit, Massagebecken, Sprudelbecken, Bewegungs- und Kaltbecken, mehrere Solarien, Schwallduschen, Wärmebänke, 4 finnische Saunen 75 - 95°C mit und ohne Aufguss, ein Römisches Dampfbad, Fürstensuiten zum Ruhen, Tauchbecken, Cafeteria, Bar, Kneippsche Fußbecken, Wellnessanwendungen, Klangmeditationen und: Baden mit und ohne Badebekleidung ist möglich. Fühlt man sich gestärkt durch die Anwendung des Wassers, kann man sich im wunderschönen Kurpark ergehen. Er wurde 1699 durch Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg gebaut, zunächst als eine Hainbuchenallee entlang der Enz. Daraus entwickelt sich ein Park mit 15Km Wegenetz, wobei man die steilen Hänge zu beiden Seiten der Enz natürlich integrierte. Es gibt beschauliche Plätze wie den "Rosengarten", den "Schwanensee" mit weißen und schwarzen Schwänen, die "Englische Kirche", den "Maurischen Pavillon" oder das "Schwarzwälder Mühlrad". Aktive Gäste finden hier Tennisplätze, einen Radweg, Nordic Walking-Strecken und für die Kinder einen Matschplatz mit Barfußpfad. Selbst im Winter ist der Besuch des Parks entdeckungsreich, wenn das Wasser der Enz fast schwarz über die Steine sprudelt und gelbe Blätter auf der Oberfläche treiben. Der Kurpark ist immer geöffnet. Die Endhaltestelle der Stadtbahn S6 endet am Kurparkeingang. Es gibt auch weniger bekannte kleine Wege, die oberhalb vom Rosengarten beginnen, mit Springbrunnen und Marmorfiguren. Die Sommerberg-Bahn transportiert ihre Gäste vom Uhlandplatz in weniger als zehn Minuten zum beliebten Ausflugsziel und Wohngebiet Sommerberg, dort gibt es Rad- und Wanderwege, die bis zum Wildseemoor führen. Die Aussicht auf Stadt und bewaldete Berge ist fantastisch. Einige Höhenrestaurants sorgen für das leibliche Wohl. 
Im Park lässt sich die Enz auf zahlreichen Brücken überqueren, das Bürgerhaus, mit herrlicher Jugendstilausschmückung, prächtigen, holzvertäfelten Säulen sowie einem kleinen Kutschenmuseum  runden den Besuch der Badestadt ab. Nach Baden-Baden, der großen Schwester, kann man immer noch fahren, es ist ja nicht weit. Doch Wildbad ist nicht nur eine Erholungs-, sondern auch eine Fest-, Einkaufs- und kulinarische Stadt. Alljährlich im Juli strömen die Musikfreunde hierher, wenn das Belcanto-Festival "Rossini in Wildbad" stattfindet. Die S-Bahn verkehrt zwischen Karlsruhe und Bad Wildbad, hat ihren Endhaltepunkt direkt vor dem Kurpark. Einkaufen und schlemmen kann der Gast überall. Besonders zu erwähnen sind die Geschäfte mit Schwarzwälder Schinken und geräucherten Schäufele, Schwarzwälder Honig und die Confiserien mit allerlei leckeren Pralinen. Wer nicht über eine Kurverordnung nach Wildbad kommt, kann auch die Pauschalen in Anspruch nehmen, die 2-3 Tage umfassen. Zum Beispiel eine Thermen-Pauschale, einen Enztal Mini-Trip oder „Abenteuer Natur im Enztal“ mit Besuch des Wald-Klettergartens und der Hochmoore.


Auf über 3.000qm bietet Enzklösterle zentral in der Ortsmitte einen völlig neuen, innovativen Adventure Golfpark. Die 18 Bahnen sind an die natürliche Umgebung angepasst. 
 Neuenbürg im wildromantischen Tal der Enz mit Besucherbergwerk und Schloss. Im Schloss befindet sich das Wilhelm-Hauff-Museum mit einem begehbaren Film „Das kalte Herz.“

Schließlich und endlich wäre noch der Enztalradweg zu erwähnen, der von der Quelle der Enz  bis zu ihrer Mündung in den Neckar führt, die Goldschmuckstadt Pforzheim und die Sommerrodelbahn in Poppental. Neueste und momentan wohl stärkste Attraktion ist die Hängebrücke "Wild Line" - ein Höhenabenteuer im nördlichen Schwarzwald! https://www.bad-wildbad.de/wildline/wildline/


Mittwoch, 28. November 2018

Peter Wohlleben: Der mit dem Wald spricht

Eigenes Foto: Oktober 2018 auf der schwäbischen Alb
Gestern kam die vorerst letzte Sendung über den Bestseller-Autor und Förster Peter Wohlleben: Diesmal war er mit Cordula Stratmann und Mickey Beisenherz unterwegs im Soonwald im Hunsrück. Nach den vorhergehenden Sendungen wieder ein absolutes Highlight! Zitterpappeln, die ihre Kinder in die umliegenden Wiesen schicken, Bäume, die ihren Unrat abwerfen und ihn dann mit Blätter-Klopapier abdecken, Baum-Familien, Hute-Eichen und eine Übernachtung bei 2° und einem eisigen Wind ...alle Folgen, unter anderem mit Denis Scheck, Sven Plöger, Pierre M. Krause usw. können noch ein Jahr lang in der Mediathek abgerufen werden.



Sonntag, 30. September 2018

Im Herbst

Vor ein paar Tagen sind wir über die Hochfläche gelaufen, die sich über dem Tal der Steinach
erstreckt. Unten liegen das Dorf und die kleine Stadt, in denen wir leben. Die Landschaft ist vielfältig, man kann die schwäbische Alb als ferne blaue Mauer sehen und die Höhen des Schwarzwaldes mit den sich drehenden Spargeln. Einmal ist uns in der beginnenden Nacht eine große Eule entgegengeflogen. Heute dominieren die Herbstfarben, vergilbende Sonnenblumen, weiße Stiele der abgeernteten Maisfelder, dicke, zwanzig Meter lange Spinnenfäden segeln durch die Luft. Ein Schwarm von Staren kreischt in einer alten Kiefer, sie warnen vor uns, erheben sich wie eine riesige Wolke in die Luft und fallen von hinten wieder ein. Da kommt ein Mann mit einem Jagdhund, es ist ein freundlicher Hund. Er berichtet, dass er Jäger ist und nach einer Rotte Schwarzwild sucht, die sich hinten im Wald versteckt, die verwüsten die Felder der Bauern. Ja, er wird auch das eine oder andere Wildschwein abschießen. Wir wandern weiter, in einem Pferch stehen Schafe mit halbwüchsigen Lämmern. Die sind voller Ruhe, sie tun nichts als weiden und ihren Nachwuchs aufziehen. Es ist ein absoluter Einklang, hier stört nichts die Natur und die Menschen, die sich darin bewegen. Und es gibt ein schönes Herbstgedicht von Turgenjew, das mir gut zu passen scheint.

Iwan S. Turgenjew (1818-1883)

Ich lieb den Herbst

Ich lieb den Herbst, im Blicke Trauer.
In stillen Nebeltagen geh
Ich oft durch Fichtenwald und seh
Vor einem Himmel, bleich wie Schnee,
Durch Wipfel wehen dunkle Schauer.
Ich lieb, ein herbes Blatt zu Brei
Zu kauen, lächeln zu zerstören
Den Traum, dem wir so gern gehören.
Fern des Spechtes scharfer Schrei!
Das Gras schon welk...schon starr vor Kühle,
Von hellen Schleiern überhaucht.
In mir das Weben der Gefühle,
Das Herz in Bitternis getaucht...
Soll ich Vergangenes nicht beschwören?
Soll, was da war, nie wieder sein?
Die Fichten nicken dunkel, hören
Gelassen zu und flüstern Nein.
Und da: ein ungeheures Lärmen,
Ein Ineinanderwehn von Zweigen,
Ein Rauschen wie von Vogelschwärmen,
Die, einem Ruf gehorchend, steigen.

Mittwoch, 30. August 2017

Der Wiesenweg am Irrenberg

  Wanderung über die schwäbische Alb

Wieder stöhnten die Menschen unter Temperaturen um die 30°. Auf den Hochfächen der Alb waren es noch gerade 25°. Eine unserer liebsten Traufwege ist der Wiesenweg, den wir schon vor mehr als zwanzig Jahren entdeckten. Inzwischen gehört er zu den Traufgängen und damit zu einem der vielen Premium-Wanderwege der schwäbischen Alb. Es geht los am Wanderparkplatz Zitterhof oberhalb von Bisingen bei Balingen. Zunächst durchqueren wir eine heiße Gasse, flankiert von übermannsgroßen Maisfeldern. Dann geht es scharf nach rechts dem Waldrand zu. Am schönsten ist diese Wanderung im Frühling, jedoch bieten auch der Sommer und der Herbst immer neue Abwechslung an Farben und Vegetation. Einmal haben wir sogar im Winter auf einer Bank mit Aussicht gevespert. Am eindrucksvollsten ist hier stets der Himmel, der so nah scheint wie sonst nur in Oberschwaben. Bald tauchen wir unter das Blätterdach des Traufs (das ist ein Weg entlang am Abgrund, also an der Kante des Gebirges). Nach einiger Zeit erreichen wir den Gedenkstein an eine Bäuerin, die im Jahr1889 an dieser Stelle abstürzte.

Meine Nachforschungen ergaben, dass es die Bäuerin vom Zitterhof war, die von Bisingen heraufkam und sich im Nebel verirrte. Sie hatte Bekannte oder Verwandte besucht. Das Schicksal dieser Frau ist uns seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen, gab sogar Anlass für Kurzgeschichten und Romanfiguren. Bald erreichen wir den Aussichtspunkt auf den Hohenzollern, mit zwei normalen Bänken und einer Wohlfühlbank.

Burg Hohenzollern, vom Irrenberg aus gesehen
Gesicht, in einen Baum geschnitzt

Auf dem Weiterweg gelangen wir zu einem Hochbehälter und zum Naturschutzgebiet Hundsrücken. Hier findet man im Frühjahr die blauen Frühlingsenziane, seltene Orchideen, später u.a. die Trollblume mit den gelben kugeligen Blütenköpfen. Das Größte aber ist der Himmel, das Nachhaltigste ist die Stille, die uns umgibt. Auch auf dem geteerten Rückweg (Abkürzung, 5 Km), auf dem nur wenige Radfahrer und Wanderer unterwegs sind. Der Entspannungs- und Erfahrungswert solcher Wanderungen ist meiner Ansicht nach höher als das Ansteuern von exotischen Zielen, das ja immer mit dem zivilisatorischen Stress verbunden ist. Es sei denn, man erkundet fremde Länder auf nachhaltige Art, anstatt am deutschen Pool Caipirinhas zu süffeln.



Frankfurt zu Fuß - eine Wanderung

Daheim sterben die Leut’ - dieser Film aus den achtziger Jahren fällt mir ein, wenn ich mir ein mögliches Motto für mein Leben überlege. Dabei ist der Titel eher irreführend. Denn ich denke dabei daran, dass man versauert, verbauert, verhockt und mit Spinnweben überzogen wird, wenn man nicht innerlich und äußerlich mobil bleibt. Der filmdienst schrieb damals, der Streifen sei ein kaleidoskopartiger, ideenreicher Heimatfilm von boshaftem Charme. Für mich bedeutet es die uns innewohnende Möglichkeit, unseren Krötenbrunnen von Zeit zu Zeit zu verlassen und über dem Rand neue Ausblicke auf die Welt zu erhalten. Nicht vergessen sollte man auch, dass das extreme Fehlen von äußeren Reizen zu sensorischer Deprivation führen kann, in den meisten Fällen aber zu gähnender Langeweile in den eigenen vier Wänden.

Diesmal war es für mich, nach einem Jahr der Eisenbahn-Abstinenz, ein kleines Familientreffen in Frankfurt, das mir diese Gelegenheit bot. Ich war gespannt darauf, wie sich die Verhältnisse bei der deutschen Bahn inzwischen entwickelt hatten. Gottseidank kann ich mir inzwischen die Karte und die Reservierung am Computer ausdrucken, anstatt eine Stunde bei einem überforderten Beamten auf dem Provinzbahnhof zu stehen. Die Kulturbahn zwischen Nagold und Pforzheim war wie immer überfüllt, der Bahnhof Pforzheim immer noch eine gigantische Baustelle. Umsteigen in Karlsruhe und Mannheim, die Fahrt vom Rheintal-Tunnelskandal unberührt. Schön auch, dass ich in meinem neuen Reader selbst dann lesen konnte, wenn ich stehen musste. In Frankfurt Hauptbahnhof, der im Lauf der Jahre schon zur Heimat geworden ist, stürzte mir dann das pulsierende Leben entgegen, Lautsprecher hallten, fremde Sprachen und Gesichter rauschten an mir vorüber. Der Himmel hatte sich inzwischen  tintenblau verfärbt, in der Straßenbahn ging das große Plattern los, senkrechte Blitze zischten über den Himmel, dem ohrenbetäubende Donnerschläge folgten. Mein Sohn David bewohnt eine schöne große Wohnung in der Rotlindstraße im Nordend. Es ist das Viertel, in dem philosophische Größen wie Habermas, Adorno und Horkheimer gelebt und gewirkt haben. Was mir an den Großstädten so gefällt (wenn es nicht gerade regnet): die vielen kleinen Geschäfte, Restaurants,  Kneipen und Biergärten, überall Menschen, die flanieren oder in den Cafés herumsitzen und plaudern (oder natürlich auf ihre Smartphones starren). Wo sonst gibt es so schöne, frische, saftige und preisgünstige Lammkotletts für den Grill wie beim Türken um die Ecke? Nur in der Großstadt!

                                             Wanderung durch Frankfurt

Am anderen Morgen knallte die Sonne von einem Himmel mit Wattewölkchen. Die Mainmetropole ist von einem inneren und einem äußeren Grüngürtel umgeben. Dank des alternativen Stadtführers "Frankfurt zu Fuß" hatte David jüngst die "Schwandorfer Heide" entdeckt. Inzwischen war auch der Schwager aus Hamburg eingetroffen - mit einem großen geräucherten Aal, Reminiszenz meiner norddeutschen Jugend. Wir fuhren mit der S-Bahn nach Westen Richtung Höchst und wanderten erst einmal durch einen schattigen, pilzreichen Wald. Anders erreicht man das Naturschutzgebiet mit Bus und Straßenbahn: Schwanheimer Düne.  Es ist keine wirlich spektakuläre Landschaft, aber ein seltener und erhaltenswerter Naturrraum. Die Düne bildet sich aus dem Mainsand, der hier einst ausgeworfen wurde. Dabei entstand eine Silbergrasgesellschaft mit Pflanzen wie dem Natternkopf, der aus dem Mittelmeerraum eingewandert ist. Dazu Seen und Kiefern, deren Zweige tief herabhängen. Ein Holzbohlenweg führt über das Gelände. Die Schwanheimer Düne (Pfanzen) sei einzigartig in Europa und nur noch in Polen ähnlich zu finden.

                                        
Der Weiterweg führt über eine freie Fläche mit Mais- und Sonnenblumenfeldern, bei ca. 29° ganz schön schweißtreibend. Als wir mit hängender Zunge zur Fähre nach Höchst gelangten, hatten wir etwa fünf Kilometer zurückgelegt. Dann ging es das kurze Stück über den Main in die Industriestadt Höchst. Sie hat einen sehr schönen mittelalterlichen Kern mit einem Marktplatz, Rathaus und  Renaissanceschloss.
Die Mainfähre in Höchst

Erfrischend: Holunderblütenschorle mit Eis und Pfefferminz

Der Marktplatz in Höchst
Vom Römer aus ging die Wanderung dann später noch weiter - durch eine Stadt, in der gefühlte Millionen von Menschen feierten. Die Paulskirche daneben, in der die deusche Demokratie 1848 ihren Anfang nahm. Das schöne Mainufer mit den Museen auf der anderen Seite, auf dem man stundenlang wandern kann. Abendessen im Nizza- Bereich, Vitello Tonnato  beim Italiener, später dann ein friedlicher Absacker in einer Kneipe der Rotlindstraße.
Das Mainufer


                                                                Der Palmengarten

Aber die Wanderung war noch gar nicht zuende. Am nächsten Tag ging es in den Palmengarten, den ich noch von früher her kannte. Der hatte sich gewaltig verändert, nur die Gewächshäuser waren noch in etwa dieselben. Es gab eine fantastische Fotoausstellung (Naturfotograf 2017, bis 27.8.), eine Kette der Dolomiten im Morgenrot zum Beispiel, oder so etwas:


Zu jedem Foto erzählt der jeweilige Fotograf eine Geschichte, wie es zu der Aufnahme kam. Dazu eine Ausstellung über die Neophyten, also die Pflanzen mit Migrationshintergrund, die seit Kolumbus 1492 bei uns eingewandert sind. Wer weiß schon, dass Kartoffeln, Tomaten und Mais aus der Neuen Welt zu uns kamen? Unter diesen Migranten entdeckte ich das indische Springkraut und den Riesen-Bärenklau. Letzterer ist hochgiftig und kann anderen Pflanzen, Tieren und sogar dem Menschen gefährlich werden. Das indische Springkraut wächst bei uns massenweise an den Ufern der Flüsse. Es bildet bis zu 4000 Samen, die sieben Meter weit in die Umgebung gescheudert werden. Und produziert so viel Nektar, dass die Bienen nur noch diese Nahrungsquelle anzapfen und andere Pflanzen leer ausgehen. Alles in allem geht es hier ruhig und zivilisiert zu, im Lindengarten bei einem kalten Getränk erklangen Trompeten- und Posaunentöne, ein Idyll wie zu Kaisers Zeiten. Wieder einmal fiel es mir schwer, mich von der Großstadt mit ihren Reizen, Düften und Angeboten jeder Art zu lösen. Ich hatte an dem Wochenende drei T-Shirts veschwitzt und war ca. 10 Km gelaufen.

Sonntag, 29. Mai 2016

Romantische Wege: der Aachtopf

Am vergangenen Mittwoch wollten wir die guten Wetteraussichten nutzen und fuhren auf der Autobahn Stuttgart-Singen hinunter Richtung Bodensee. Wir erwarteten nicht, wirklich dorthinzukommen, denn bekanntlich ist Deutschlands beliebtester See an Feiertagen und in den Ferien rundherum überlaufen. Also eine "Fahrt ins Blaue". Wir kamen zügig voran, nur die großen Schweizer Kisten überholten andere auf halsbrecherische Weise. In ihrem Heimatland dürfen sie nämlich nicht so schnell fahren. Auf der Höhe von Engen begann dann auch der erwartete Stau. Wir verließen die Autobahn und wandten uns Richtung Aach, das uns mit seiner größten Quelle Deutschlands noch von früher her bekannt war. Es ist unglaublich, welche Ruhe und welche Idylle uns dort erwarteten. Alles Wissenswerte über den Aachtopf kann man über die Webseite erfahren: Aach und Aachtopf. Die Besonderheit des Aachtopfes liegt darin, dass hier das Donauwasser, das in Immendingen und Fridingen versickert, in dieser Quelle wieder zutage tritt. Als Radolfzeller Aach fließt es ca. 14 Km zum Bodensee und mündet dort.
Die idyllische Ortsmitte des Städtchens Aach

Blick von Aach in den Hegau

Aach liegt erhöht auf einem Bergsporn, mit Staffelgiebelkirche, Pfarrhaus und einem alten, unzugänglichen Schloss. Von hier oben sieht man die Vulkanberge des Hegau und bei klarem Wetter bis zu den schneebedeckten Alpengipfeln. Die Gegend eignet sich zum Wandern, zum Radfahren und für Ausflüge an den Bodensee, nach Messkirch, Pfullendorf, Engen und in die Schweiz.


So schön wohnt man dort!

Das Brunnenhaus. Bis 1756 wurde das Wasser mit Kübeln und Zuber aus "Sales Brünnele" an der Aach herausfgeholt.

Hier geht es noch sehr gemütlich zu. Hühner, Gänse und Enten tummeln sich, meist nur wenige Touristen
Das Sarah-Loch am Ende des Aachtopfes, in dem der Teufel aus Wut verschwunden sei

Der Aachtopf mit Gasthaus. Ein Weg führt um die Karstquelle herum und hinauf zu einer mittelalterlichen Burg und zwei großen Dolinen (Einbrüche des Bodens)
Man kann in dem Gasthaus direkt am Quelltopf sitzen und kleine Speisen, Eis und Kuchen zu sich
nehmen. Günstige Unterkünfte gibt es im Gasthaus Löwen und in einer Ferienwohnung oben im Ort.
Wenn man wirklich einmal eine Auszeit von der Hektik und dem Stress der Zeit nehmen will, ist man hier gut aufgehoben. Etwas mehr touristische Infrastruktur bietet das nahe Engen. Wir sind diesmal nicht geblieben, sondern weitergefahren nach Messkirch, einer reizvollen Kleinstadt, in der die Herren von Zimmern residierten.Kleine Bemerkung am Rande: Diese Gegend, zusammen mit Schloss Wildenstein im Donautal (ebenfalls Residenz der Herren von Zimmern, dort wurden auch große Teile der berühmten Zimmerschen Chronik geschrieben), inspirierte mich so sehr, dass sie einen Platz in meinem Roman "die Pilgerin von Montserrat" sowie in anderen Romanen gefunden hat.


Eingang zum Renaissanceschloss der Herren von Zimmern

Sonntag, 24. Januar 2016

Winter im Schwarzwald

In diesem Jahr wurde uns eine ganze Woche reiner Winter beschert. Ein Moment zum Innehalten . mit dem Blick auf die Schwarzwaldberge bei Nagold. Das Sonnenwetter zusammen mit dem Schnee trieb Hunderte zu Spaziergängen üer die Höhen, auf die Loipen und Pisten. Als Urlaubsziel wird der Schwarzwald immer beliebter, zusammen mit Bayern steht Baden-Württemberg ganz oben auf der Wunschliste.

Das heutige Schmuddelwetter habe ich dazu genutzt, Ordnung in meinen Blog "Orte zum Reinschmecken" zu bringen. Habe einiges gelöscht, anderes in regionale und Sach-Kategorien  unterteilt. So findet sich der Besucher besser auf der Seite zurecht, anstatt nach anderen Beiträgen lange scrollen zu müssen. Es gibt jetzt die Kategorien "Wanderungen", "Schwäbische Alb", "Neckarland", "Schwarzwald", "Hohenlohe und Stromberg", "Oberschwaben und schwäbisches Allgäu" sowie "Bodensee." Eine Extrasparte gab es für den Dichter Daniel Schubart und für die Blumeninsel Madeira. In der nächsten Zeit wird das laufend ergänzt und es sollen immer wieder neue Beiträge dazukommen. Jetzt wünsche ich viel Spaß beim Stöbern auf der Seite - es ist für jeden etwas dabei.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Fußreisen und Meer auf Madeira

Porto da Cruz mit dem Adlerfelsen
Seit dreizehn Jahren habe ich davon geträumt, einmal in einem Lorbeerwald auf Madeira wandern zu gehen. Damals, im Jahr 2001, feierten wir den 80. Geburtstag meiner Mutter. Vier Tage lang wütete ein Sturm auf der Insel. Letzte Woche ist der Lorbeertraum wahr geworden. Wie damals wohnten wir in einem Touristenhotel am Atlantik, diesmal im Osten, in der ältesten Stadt Machico, wo am 8. Oktober das Fest "Senhor dos Milagres" gefeiert wird. Doch dazu komme ich später. Den Weg an der Straße nach Porto Moniz haben wir nicht mehr gefunden. Aber gleich am ersten Tag sind wir elf Kilometer an einer sogenannten Levada entlanggelaufen, von der Forellzuchtstation Ribiero Frio nach Portela. Eine Levada ist ein klarer, fließender Bewässerungskanal, der das Wasser vom regenreichen Inneren der Insel auf die unteren Terrassen bringt. Am Schluss ging es steil hinunter, auf einer dieser etwas mühsam zu begehenden Treppen. Der Ort Portela ist klein, hat aber Taxis und eine urige Berggaststätte. Im Ofen brannte ein Feuer. Das war aber nicht dazu da, um die Gäste zu wärmen (die Durchschnittstemperatur beträgt das ganz Jahr über 19-23°), sondern um die Rindfleischspieße "Espedatas", gewürzt mit Lorbeer, Salz und Pfeffer, knusprig zu grillen. Es war ein leicht zu begehender Weg, erst später sollte ich merken, wo meine physischen und psychischen Grenzen sind.

Samstag, den 4. Oktober 2014
Ankommen

Doch nun mal der Reihe nach. Seit dem letzten Weihnachtsfest hatten mein Sohn David und ich uns vorgenommen, einmal eine kleine Reise miteinander zu machen. Im Winter auf eine Insel, das wäre doch ein schönes Kontrastprogramm zu seinen Fernreisen und beruflichen Aufenthalten in anderen Ländern und zu meinen Deutschland-Auto-und Wanderreisen, die in den vergangenen Jahren oft im Stau, an einer der vielen Baustellen oder im Regen endeten. An Weihnachten ist alles überfüllt mit Leuten, die gleiche Bedürfnisse wie wir zu haben scheinen. Im Oktober dieses Jahres war es dann endlich soweit. Ich ware also am Freitag Abend nach Frankfurt gereist, mit der üblichen Verspätung der Bahn. Und am Samstag Mittag erhob sich der Vogel von der TAP Portugal in die Lüfte. Seit acht Jahren bin ich nicht geflogen, und die Prozedur der Leibesvisitation ist noch um einiges "peinlicher" geworden, dank der Terrorisierung unserer Welt, es darf noch nicht einmal ein Kugelschreiber oder eine Wasserflasche im Handgepäck sein. Dafür tat sich über Lissabon (Zwischenlandung) der Himmel auf. Ich konnte den Torre Belem (spricht sich: Belei), die Burganlage und das Bairro Alto mit seinen verwinkelten Gassen erkennen.
Lissabon
Ich erinnerte mich daran, wie ich einst mit einem Freund dort in der Jugendherberge war und auf dem Weg in die Stadt von einer dunklen Gestalt verfolgt wurde. Gerettet wurden wir durch einen Taxifahrer, der uns hinunter in die Stadt mit ihren Lichtern brachte. Der einzige Fixpunkt, der uns einfiel, war der "Torre Belem", und wir es inzwischen richtig aussprechen konnten, landeten wir auch dort.

Mit dem letzten Sonnenstrahl verließen wir den Flughafen von Santa Cruz, der im Vergleich zum Frankfurter sehr übersichtlich und heimelig ist. Den Mietwagen, einen Fiat Punto, mussten wir weiter unten abholen. Und so gelangten wir äußerst bequem unseren Ort Machico, der malerisch an einer Bucht gelegen ist und das Hotel "Dom Pedro", zwei Einzelzimmer mit Balkon und Meeresrauschen. Es gibt ein sehr gutes Fischrestaurant hinten am Jachthafen, "Peixe o Mariscos", in dem wir in der Folge von Muscheln über Espada (Degenfisch) bis Dorade, Napfschnecken und Garnelen alles durchprobieren sollten. Auch ein oder zwei Austern habe ich mir mal wieder gegönnt, die hatte ich seit einem Aufenthalt in der Bretagne in den neunziger Jahren nicht mehr gegessen (kostete nur 2,- Euro das Stück).



Sonntag, 5. Oktober 2014 
Levada-Wanderung von Ribeiro Frio nach Portela

Der Weg nach Ribeiro Frio führt über die Schnellstraße, vorbei am Kap von Sao Lourenco und den dichten Wäldern oberhalb von Porto da Cruz. Die Berge sind steil und spitzkegelig, oft durchquert die Straße sie durch dunkle, feuchte Tunnels. Dann geht es hinein in die Berge, steile, kurvenreiche Wege hinauf bis zur Forellenzuchtstation von Ribeiro Frio. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel, für Touristen und die madeirische Bevölkerung gleichermaßen. Nach der kurzen Wanderung zum Aussichtspunkt Balcoes kann man hier in einem der Restaurants einen dieser Fische genießen, frisch aus dem klaren Bergwasser.
Forellen
 Der Levadaweg beginnt unterhalb des Gasthauses „Ribeiro Frio“, überquert eine alte Steinbrücke über den wilden Bach und erreicht bald die Levada do Furado. Er ist gesäumt von Lorbeerbäumen, Ahorn, blauen Hortensien, blau blühendem Agapanthus, Moosen, Riesenfarnen und Flechten, die wie Bärte in den alten Bäumen hängen. In der Erdneuzeit, Paläogen und Neogen, bedeckten ausgedehnte Lorbeer-, Laurazeenwälder, weite Teile Südeuropas und Nordafrikas. Heute sind sie noch in Resten auf den Azoren, den Kanaren, Kapverden und besonders eindrucksvoll auf Madeira vorhanden. Der Weg ist feucht, aber gut begehbar, er führt immer leicht abwärts an der Levada entlang. Kein Vogel zirpt, nur manchmal sitzt ein Buchfink am Weg. Ab und zu plätschert ein kleiner Wasserfall eine bemooste Felswand hinab in die Levada, immer wieder kommt die Sonne kurz heraus und gibt den Blick frei auf die höchsten Berge, Pico do Ariero, Pico das Torres und Pico Ruivo, später auf Porto da Cruz mit seinem imposanten Adlerfelsen. 
Der Levada-Wanderweg


Blick auf die Berge


Moosbewachsene Felsen


Farn über der Levada


Der Lorbeerwald





Außer uns sind viele Wanderer unterwegs, meist Deutsche, aber auch Franzosen und Amerikaner. Ab und zu müssen Bäche durchquert werden, meist in kleinen Talkesseln mit ebenso kleinen Wasserfällen. Manchmal verengt sich der Weg, wird ausgesetzt, das heißt, er fällt nach einer Seite steil ab und ist dann mit Drahtseilen gesichert. Auch Tunnels und enge Felswände müssen durchquert werden. Manchmal gehen wir auf Holzbohlen, mit denen die Levada abgedeckt ist. 
Später wird der Weg breiter, das vom Wanderführer angekündigte Forsthaus war zu dieser Zeit nicht bewirtschaftet. Die Vegetation wird mediterraner: leuchtend violette Malven, Eukalyptusbäume, Hortensienbüsche, Feuerlilien. 
Mit schönen Blicken auf das Meer und die Terrassen geht es allmählich hinunter nach Portela. Am Schuss kommen noch endlose steile Stufen, sie sind das Einzige, was mich bei unseren Madeirawanderungen etwas gestört hat. Aber immerhin haben wir 11 Km geschafft! Wir werfen noch einen Blick hinunter auf Porto da Cruz und kehren im Gasthaus „Portela“ ein, einem urigen Bergwirtshaus, mit einer Seitenkammer, in der ein Feuer im Ofen brennt. 
Der Kellner zieht das Rindfleisch (Lomo, Lende) auf zwei Metallspieße, legt sie neben die Glut und serviert sie wenig später zusammen mit pommierten Kartoffeln am Tisch. Sie werden aufgehängt, der Saft tropft in eine Schale. Selten hat mir etwas so gut geschmeckt, vergleichbar nur das Fladenbrot mit Knoblauch und Kräutern. Ein Taxi bringt uns zurück, über die Hochebenen mit Lärchen und Fichten im Nebel, fast wie im Schwarzwald, zu unserem Ausgangspunkt in Ribeiro Frio. Der Taxifahrer - er spricht fließend englisch wie die meisten Menschen auf Madeira, erzählt, dass vor allem die Deutschen dafür bekannt seien, dass sie unaufhörlich wandern.
                                                   


Ausgangspunkt:Ribeiro Frio
Endpunkt: Portela
Shwierigkeitsgrad: leicht bis mittelschwer (ich fand ihn leicht zu gehen)
Gehzeit: ca. 3 Stunden
Höhendifferenz: 250 Meter hinab
Wegbeschaffenheit: Levada-Steig, teilweise schmal und ausgesetzt, gesichert
Wanderausrüstung

Die Wanderung haben wir dem sehr guten Reiseführer"Madeira/Porto Santo von Daniela Schetar und Friedrich Köthe entnommen, Reise-Know-How-Verlag 

Den Rest des Tages verbringen wir mit einem Tripp an die Nordküste. Nach einem Kaffee in Sao Jorge hoch oben über dem Meer biegt mein Sohn ab, nachdem er in seinem Smartphone Google Maps zu Rate gezogen hat. Das ist wirklich fantastisch, wie man sich damit inmitten der Pampa zurechtfinden kann! Wir kommen, nach endlosen Windungen, zu einem einsamen Strand mit ein paar Häusern. Große, schwarze Steine am Strand, Madeira ist ja eine Vulkaninsel, und weißbrechende riesige Wellen. Ein Moment in wirklich großartiger Natur.

(c) Christa S. Lotz - Fortsetzung folgt

                                     













Sonntag, 27. Oktober 2013

Durch das Schäfertal zum Götzenaltar und zur Ruine Granegg

Diese Wanderung gehört zum Donauberglandweg, der vor einiger Zeit als Premium-Wanderweg ausgezeichnet wurde. Wir beginnen sie in Böttingen auf der Schwäbischen Alb (Parkplatz Kirche oder am Waldrand Richtung Schäfertal). Durch eine langestreckte Wacholderheide gelangt man zum Wanderparkpatz Schäfer/-Grauental.

Auf dem Parkplatz mit drei Brunnen, Grillplatz und Teich kann man gut eine Zeit lang verweilen, seine Würste oder Steaks grillen oder vespern. Bei Hitze tut es gut, die Füße im kristallklaren Wasser der Quelle zu kühlen.

Grauenbachquelle


Hinter dem Grillplatz geht es kurz und steil hinauf zum Allenspacher Hof. Der Weg ist atembereraubend, nicht nur wegen seiner Steilheit. Er wird von mächtigen Kalkfelsen gesäumt, windet sich immer höher hinauf. Tief unten sieht man den Grauenbach der Lippachmühle zufließen.


Der Allenspacher Hof ist ein Überbleibsel des Weilers Allenspach, der im dreißigjährigen Krieg abging. Er befand sich ungefähr an der Stelle, an der heute die Antoniuskapelle steht.


 Der Allenspacher Hof ist Sitz eines bildenden Künstlers. Vor dem Hof steht eine 300 Jahre alte Linde. Über die Wiese geht es Richtung Auchten zum Götzenaltar. Ein Bauer erzählte uns einmal, dass der Götzenaltar, die Ruine Granegg und das Heidentor in der Luft eine Linie bildeten, was vielleicht von tieferer Bedeutung für die Altvorderen war. Der Götzenaltar selbst ist ein Felsbrocken mit einem Loch in der Mitte, von dem vermutet wird, dass es eine spätbronzezeitliche Kultstätte war, mit der die Priester die Zeit gemessen haben. Oder auch eine mittelalterliche Richtstätte. Von der Ruine Granegg aus dem 11. Jahrhundert hat man einen schönen Blick ins Tal, nach Egesheim mit seiner Kirche, deren Stuck vom Meister Feuchmayr stammt. Auf dem Rückweg nach Böttingen landet man, so sehr man auch nach Wegen suchen mag, unweigerlich auf der Straße. Statt dessen kann man den Radweg Richtung Allensbacher Hof gehen und durchs Grauental zurück. Oder man macht die Wanderung anders herum, wandert durchs eigentliche Schäfertal 3 KM bis zur Lippachmühle (Einkehr mit Biergarten!) und hinauf zum Trauf zurück zum Allenspacher Hof. Eine vierte Variante sind wir gestern gegangen: an der Straße von Bubsheim nach Königsheim Parkplatz an der Antoniuskapelle, auf dem breiten Weg hinunter ins Schäfertal, hinauf zum Allenspacher Hof und zurück zum Parkplatz.
Anfahrt: Balingen Richtung Beuron, durchs Bäratal nach Nusplingen, dann abbiegen nach Egesheim-Bubsheim-Böttingen. Ca. 4-12 Km, je nach Einstieg, mittelschwer. Einkehrmöglichkeiten Lippachmühle oder ins Donautal weiter und zur "Sonne" in Fridingen.
Karte





Montag, 6. Mai 2013

Eine Fußreise auf der schwäbischen Alb



 Wer sich einmal total verzaubern lassen will, der unternehme im Wonnemonat Mai eine Fußreise auf der schwäbischen Alb. Beginnen wir sie mit einer Latte Macchiato im Hotel "Fürstenhof" von Bad Imnau. Dieser Kurort liegt im Eyachtal, einem Seitental des Neckars, und ist von Tübingen, Rottenburg oder Horb aus leicht zu erreichen
 Bad Imnau verfügt über ein Stahlbad und darüber hinaus über einen ganz bezaubernden kleinen Kurpark, wo immer die ersten Frühlingsblüher stehen und wo ein Kräutergarten das ganze Jahr über Einblicke in die Geheimnisse der Würz- und Heilkunst gibt.

Weiter geht es über Bisingen (bei Balingen) auf die schwäbische Alb - ein ungeheurer Aufstieg in steilen Serpentinen. Etwas moderater kommt man über Balingen nach Pfeffingen. Wir sehen beim Hinauffahren, dass die Vegetation immer weiter zurückbleibt, im Schnitt sind es zwei Wochen. Also kann man in diesem Mai 2013, der durch den langen, kalten Winter bis in den späten April hinein sowieso zurück ist, oben noch Veilchen, gelbe und weiße Anemonen, die Frühlings-Platterbse und den Frühlings-Enzian sehen. Wir passieren den Parkplatz bei Zitterhof, der seit Einführung des Konzeptes "Traufwege" bei jedem Sonnenstrahl überfüllt ist. Am Parkplatz bei Pfeffingen gehen wir los. Diese Tour ist wohl schon länger kein Geheimtipp mehr, denn auf unserer Wanderung begegneten wir etwa dreißig Menschen in einer Gruppe, die dann weiter oben auf eine weitere halbe Hundertschaft von Wanderern traf und mit ihnen den neuesten Wanderklatasch austauschte.


Die Wanderung ist wenig spektakulär und eher etwas für Blumenliebhaber und Freunde schöner Landschaftsbilder. An der Schnabelhütte vorbei geht es auf einem Schotterweg in den Wald hinein. Den Schäferkarren, hier für die Waldarbeiter abgestellt, könnten wir gut für Exkursionen und stille Wochenenden gebrauchen!


Der Wald wird hier Hangbuchenwald genannt und er hat seine ganz eigene Vegetation. Neben oben genannten Pflanzenarten gibt es Wolfsmilch, Bärlauch und Lungenkraut, Veilchen in wahren Massen am Wegrand. Bald weist ein Pfeil zu einem Brunnen mit Bank und schöner Aussicht auf die Berge der Alb.



Je mehr wir uns dem eigentlichen Naturschutzgebiet am Irrenberg nähern, desto märchenhafter wird der Wald. Hier stehen die Buchen glatt und
senkrecht wie von Menschenhand aufgetsellt. Unendliche Teppiche des Bärlauchs breiten sich darunter aus und verströmen einen intensiven Duft nach Knoblauch. Sie ahben schon Knospen angesetzt, und bald werden filigrane weiße Blüten den Waldboden bedecken.



Hier sieht man ganz deutlich den Unterschied zwischen dem Bärlauch und den Blättern des Maiglöckchens. Die Maiglöckchenblätter kommen zusammengerollt aus dem Boden und haben keinen Knoblauchgeruch.


Weiter geht es in das Naturschutzgebiet hinein. Die Wiesen werden von den Naturschützern gepflegt, Schafe weiden auf den Hängen und halten das Gebiet waldfrei. Seltene Blumen wie Orchideen oder den Frühlingsenzian lassen sie stehen, weil sei zu bitter sind.

Ein richtiger, schöner Frühlingsweg! Nach Austritt aus dem Wald sind die Weg von Traubenhyazinthen gesäumt, die Küchenschellen sieht man nur noch als verblühte, fedrige Reste. Etwas später kann man hier auch Trollblumen sehen. An Herzschlag und Atemfrequenz wird man feststellen, dass es die ganze Zeit fast unmerklich bergauf gegangen ist. 





Der weiße Steinbrech





Die schwäbische Alb ist ein Land der hohen Himmel und Wolken, speziell hier am Irrenberg und bei der Salmendinger Kapelle ein Stück weiter Richtung Süden. Es ist überdies ein Land, in dem man hervooragend Krimis und historische Romane ansiedeln kann. So beginnt auch mein Roman, den ich schon lange schreiben wollte, in diesem Gebiet.





Inzwischen sind wir oben auf dem
Irrenberg angekommen. Man kann
sich nun nach rechts wenden und
zum Trauf hinübergehen.
Dort steht eine Bank, die für uns
die "Wintervesperbank" heißt.
Für den Rückweg gibt es nun mehrere Möglichkeiten. Entweder man dehnt die Wanderung noch aus und geht zurück zu den Hinweisschildern und am Pumpwerkhäuschen vorbei zum Trauf. Er bietet einen schmalen, meist trockenen Weg mit fantastischen Ausblicken ins Tal. Auf halber Höhe ste
ht ein Stein zum Gedenken an eine Frau in den Fünfzigern, die hier im 19. Jahrhundert in einer Oktobernacht abstürzte.
Was uns immer wieder zu der Frage führte: Warum um alles in der Welt ist diese Frau dort hinabgestürzt? Die wahre Antwort werden wir wohl niemals finden.
In Höhe der Bauernhöfe kann man zu einem geteerten Weg gelangen, der steil zu dem Wanderparkplatz zurückführt. Folgt man von der Bank am Trauf einem Wiesenweg, kann man nach einiger Zeit den Crisie- (Kirschen-)weg hinunersteigen und links auf dem Schnabelweg zurückgehen. Unsere geheime Variante ist nicht leicht zu finden, aber die schönste von allen. Auf dem Mountainbikeweg, dessen Name uns ein Hundebesitzer verriet, geht es durch lichten Buchenwald auf einem Grat über den beiden Tälern und dann steil hinab zum Parkplatz. Man sollte gut ausgerüstet sein, denn es gibt Passagen, in denen der Weg schweißtreibend ist und solche, auf denen ständig ein mehr oder weniger kalter Wind bläst - wie auf der Höhe des Irrenbergs. Es gibt keine Einkehrmöglichkeiten. Man kann die Fußreise bei einem Vesper in Bisingen, in Balingen oder an einem anderen Ort beenden. Wir nutzten die letzten warmen Sonnenstrahlen und kehrten endlich einmal im Brauhaus der Mönche, dem Klosterbräu in Zwiefalten ein. Hier, direkt am Kloster mit seiner prachtvollen Barockkirche, dem klaren Bach und den stillen Winkeln, wird seit über 400 Jahren gebraut und ausgeschenkt. Zum besonderen Anlass ließ ich mir saure Kuttel mit Bratkartoffeln schmecken, mein Begleiter ein Filettöpfle mit Nudeln vom Bauern.

Ausgangspunkt: Parkplätze am Zitterhof oder bei Pfeffingen Richtung Balingen.
Wanderstrecke 7-10 Km.