Hinweis: Dieser Blog wird gerade in Bezug auf das neue Datenschutzgesetz (DSGVO), das am 25.Mai 2018 endgültig in Kraft tritt, überarbeitet. Aber nebenher läuft das ganz normale Schreiberleben weiter. Während ich der Veröffentlichung meines Buches "Martinsmorde" entgegensehe (E-Book voraussichtlich im Juli, Printbuch im September), genießen wir das anhaltend schöne Wetter, um Ausflüge, Städtetouren und Wanderungen zu unternehmen. Vor einer Woche waren wir noch einmal im Taubertal, zwischen Tauberbischofsheim und Wertheim diesmal, hier in der Umgebung wandern wir in der Umgebung des Neckartals und auf der schwäbischen Alb. Der Betrieb meiner beiden Blogs geht normal weiter, weitere Bilder und Beschreibungen folgen in Kürze.
Sonntag, 29. April 2018
Mittwoch, 30. August 2017
Der Wiesenweg am Irrenberg
Wanderung über die schwäbische Alb
Wieder stöhnten die Menschen unter Temperaturen um die 30°. Auf den Hochfächen der Alb waren es noch gerade 25°. Eine unserer liebsten Traufwege ist der Wiesenweg, den wir schon vor mehr als zwanzig Jahren entdeckten. Inzwischen gehört er zu den Traufgängen und damit zu einem der vielen Premium-Wanderwege der schwäbischen Alb. Es geht los am Wanderparkplatz Zitterhof oberhalb von Bisingen bei Balingen. Zunächst durchqueren wir eine heiße Gasse, flankiert von übermannsgroßen Maisfeldern. Dann geht es scharf nach rechts dem Waldrand zu. Am schönsten ist diese Wanderung im Frühling, jedoch bieten auch der Sommer und der Herbst immer neue Abwechslung an Farben und Vegetation. Einmal haben wir sogar im Winter auf einer Bank mit Aussicht gevespert. Am eindrucksvollsten ist hier stets der Himmel, der so nah scheint wie sonst nur in Oberschwaben. Bald tauchen wir unter das Blätterdach des Traufs (das ist ein Weg entlang am Abgrund, also an der Kante des Gebirges). Nach einiger Zeit erreichen wir den Gedenkstein an eine Bäuerin, die im Jahr1889 an dieser Stelle abstürzte.
Meine Nachforschungen ergaben, dass es die Bäuerin vom Zitterhof war, die von Bisingen heraufkam und sich im Nebel verirrte. Sie hatte Bekannte oder Verwandte besucht. Das Schicksal dieser Frau ist uns seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen, gab sogar Anlass für Kurzgeschichten und Romanfiguren. Bald erreichen wir den Aussichtspunkt auf den Hohenzollern, mit zwei normalen Bänken und einer Wohlfühlbank.
Auf dem Weiterweg gelangen wir zu einem Hochbehälter und zum Naturschutzgebiet Hundsrücken. Hier findet man im Frühjahr die blauen Frühlingsenziane, seltene Orchideen, später u.a. die Trollblume mit den gelben kugeligen Blütenköpfen. Das Größte aber ist der Himmel, das Nachhaltigste ist die Stille, die uns umgibt. Auch auf dem geteerten Rückweg (Abkürzung, 5 Km), auf dem nur wenige Radfahrer und Wanderer unterwegs sind. Der Entspannungs- und Erfahrungswert solcher Wanderungen ist meiner Ansicht nach höher als das Ansteuern von exotischen Zielen, das ja immer mit dem zivilisatorischen Stress verbunden ist. Es sei denn, man erkundet fremde Länder auf nachhaltige Art, anstatt am deutschen Pool Caipirinhas zu süffeln.
Wieder stöhnten die Menschen unter Temperaturen um die 30°. Auf den Hochfächen der Alb waren es noch gerade 25°. Eine unserer liebsten Traufwege ist der Wiesenweg, den wir schon vor mehr als zwanzig Jahren entdeckten. Inzwischen gehört er zu den Traufgängen und damit zu einem der vielen Premium-Wanderwege der schwäbischen Alb. Es geht los am Wanderparkplatz Zitterhof oberhalb von Bisingen bei Balingen. Zunächst durchqueren wir eine heiße Gasse, flankiert von übermannsgroßen Maisfeldern. Dann geht es scharf nach rechts dem Waldrand zu. Am schönsten ist diese Wanderung im Frühling, jedoch bieten auch der Sommer und der Herbst immer neue Abwechslung an Farben und Vegetation. Einmal haben wir sogar im Winter auf einer Bank mit Aussicht gevespert. Am eindrucksvollsten ist hier stets der Himmel, der so nah scheint wie sonst nur in Oberschwaben. Bald tauchen wir unter das Blätterdach des Traufs (das ist ein Weg entlang am Abgrund, also an der Kante des Gebirges). Nach einiger Zeit erreichen wir den Gedenkstein an eine Bäuerin, die im Jahr1889 an dieser Stelle abstürzte.
Meine Nachforschungen ergaben, dass es die Bäuerin vom Zitterhof war, die von Bisingen heraufkam und sich im Nebel verirrte. Sie hatte Bekannte oder Verwandte besucht. Das Schicksal dieser Frau ist uns seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen, gab sogar Anlass für Kurzgeschichten und Romanfiguren. Bald erreichen wir den Aussichtspunkt auf den Hohenzollern, mit zwei normalen Bänken und einer Wohlfühlbank.
| Burg Hohenzollern, vom Irrenberg aus gesehen |
| Gesicht, in einen Baum geschnitzt |
Auf dem Weiterweg gelangen wir zu einem Hochbehälter und zum Naturschutzgebiet Hundsrücken. Hier findet man im Frühjahr die blauen Frühlingsenziane, seltene Orchideen, später u.a. die Trollblume mit den gelben kugeligen Blütenköpfen. Das Größte aber ist der Himmel, das Nachhaltigste ist die Stille, die uns umgibt. Auch auf dem geteerten Rückweg (Abkürzung, 5 Km), auf dem nur wenige Radfahrer und Wanderer unterwegs sind. Der Entspannungs- und Erfahrungswert solcher Wanderungen ist meiner Ansicht nach höher als das Ansteuern von exotischen Zielen, das ja immer mit dem zivilisatorischen Stress verbunden ist. Es sei denn, man erkundet fremde Länder auf nachhaltige Art, anstatt am deutschen Pool Caipirinhas zu süffeln.
Frankfurt zu Fuß - eine Wanderung
Daheim sterben die Leut’
- dieser Film aus den achtziger Jahren fällt mir ein, wenn ich mir ein
mögliches Motto für mein Leben überlege. Dabei ist der Titel eher
irreführend. Denn ich denke dabei daran, dass man versauert, verbauert,
verhockt und mit Spinnweben überzogen wird, wenn man nicht innerlich und
äußerlich mobil bleibt. Der filmdienst schrieb damals, der Streifen sei ein kaleidoskopartiger, ideenreicher Heimatfilm von boshaftem Charme.
Für mich bedeutet es die uns innewohnende Möglichkeit, unseren
Krötenbrunnen von Zeit zu Zeit zu verlassen und über dem Rand neue
Ausblicke auf die Welt zu erhalten. Nicht vergessen sollte man auch,
dass das extreme Fehlen von äußeren Reizen zu sensorischer Deprivation führen kann, in den meisten Fällen aber zu gähnender Langeweile in den eigenen vier Wänden.
Diesmal war es für mich, nach einem Jahr der Eisenbahn-Abstinenz, ein kleines Familientreffen in Frankfurt, das mir diese Gelegenheit bot. Ich war gespannt darauf, wie sich die Verhältnisse bei der deutschen Bahn inzwischen entwickelt hatten. Gottseidank kann ich mir inzwischen die Karte und die Reservierung am Computer ausdrucken, anstatt eine Stunde bei einem überforderten Beamten auf dem Provinzbahnhof zu stehen. Die Kulturbahn zwischen Nagold und Pforzheim war wie immer überfüllt, der Bahnhof Pforzheim immer noch eine gigantische Baustelle. Umsteigen in Karlsruhe und Mannheim, die Fahrt vom Rheintal-Tunnelskandal unberührt. Schön auch, dass ich in meinem neuen Reader selbst dann lesen konnte, wenn ich stehen musste. In Frankfurt Hauptbahnhof, der im Lauf der Jahre schon zur Heimat geworden ist, stürzte mir dann das pulsierende Leben entgegen, Lautsprecher hallten, fremde Sprachen und Gesichter rauschten an mir vorüber. Der Himmel hatte sich inzwischen tintenblau verfärbt, in der Straßenbahn ging das große Plattern los, senkrechte Blitze zischten über den Himmel, dem ohrenbetäubende Donnerschläge folgten. Mein Sohn David bewohnt eine schöne große Wohnung in der Rotlindstraße im Nordend. Es ist das Viertel, in dem philosophische Größen wie Habermas, Adorno und Horkheimer gelebt und gewirkt haben. Was mir an den Großstädten so gefällt (wenn es nicht gerade regnet): die vielen kleinen Geschäfte, Restaurants, Kneipen und Biergärten, überall Menschen, die flanieren oder in den Cafés herumsitzen und plaudern (oder natürlich auf ihre Smartphones starren). Wo sonst gibt es so schöne, frische, saftige und preisgünstige Lammkotletts für den Grill wie beim Türken um die Ecke? Nur in der Großstadt!
Wanderung durch Frankfurt
Am anderen Morgen knallte die Sonne von einem Himmel mit Wattewölkchen. Die Mainmetropole ist von einem inneren und einem äußeren Grüngürtel umgeben. Dank des alternativen Stadtführers "Frankfurt zu Fuß" hatte David jüngst die "Schwandorfer Heide" entdeckt. Inzwischen war auch der Schwager aus Hamburg eingetroffen - mit einem großen geräucherten Aal, Reminiszenz meiner norddeutschen Jugend. Wir fuhren mit der S-Bahn nach Westen Richtung Höchst und wanderten erst einmal durch einen schattigen, pilzreichen Wald. Anders erreicht man das Naturschutzgebiet mit Bus und Straßenbahn: Schwanheimer Düne. Es ist keine wirlich spektakuläre Landschaft, aber ein seltener und erhaltenswerter Naturrraum. Die Düne bildet sich aus dem Mainsand, der hier einst ausgeworfen wurde. Dabei entstand eine Silbergrasgesellschaft mit Pflanzen wie dem Natternkopf, der aus dem Mittelmeerraum eingewandert ist. Dazu Seen und Kiefern, deren Zweige tief herabhängen. Ein Holzbohlenweg führt über das Gelände. Die Schwanheimer Düne (Pfanzen) sei einzigartig in Europa und nur noch in Polen ähnlich zu finden.
Der Weiterweg führt über eine freie Fläche mit Mais- und Sonnenblumenfeldern, bei ca. 29° ganz schön schweißtreibend. Als wir mit hängender Zunge zur Fähre nach Höchst gelangten, hatten wir etwa fünf Kilometer zurückgelegt. Dann ging es das kurze Stück über den Main in die Industriestadt Höchst. Sie hat einen sehr schönen mittelalterlichen Kern mit einem Marktplatz, Rathaus und Renaissanceschloss.
Vom Römer aus ging die Wanderung dann später noch
weiter - durch eine Stadt, in der gefühlte Millionen von Menschen
feierten. Die Paulskirche daneben, in der die deusche Demokratie 1848
ihren Anfang nahm. Das schöne Mainufer mit den Museen auf der anderen
Seite, auf dem man stundenlang wandern kann. Abendessen im Nizza-
Bereich, Vitello Tonnato beim Italiener, später dann ein friedlicher
Absacker in einer Kneipe der Rotlindstraße.
Der Palmengarten
Aber die Wanderung war noch gar nicht zuende. Am nächsten Tag ging es in den Palmengarten, den ich noch von früher her kannte. Der hatte sich gewaltig verändert, nur die Gewächshäuser waren noch in etwa dieselben. Es gab eine fantastische Fotoausstellung (Naturfotograf 2017, bis 27.8.), eine Kette der Dolomiten im Morgenrot zum Beispiel, oder so etwas:
Zu jedem Foto erzählt der jeweilige Fotograf eine Geschichte, wie es zu der Aufnahme kam. Dazu eine Ausstellung über die Neophyten, also die Pflanzen mit Migrationshintergrund, die seit Kolumbus 1492 bei uns eingewandert sind. Wer weiß schon, dass Kartoffeln, Tomaten und Mais aus der Neuen Welt zu uns kamen? Unter diesen Migranten entdeckte ich das indische Springkraut und den Riesen-Bärenklau. Letzterer ist hochgiftig und kann anderen Pflanzen, Tieren und sogar dem Menschen gefährlich werden. Das indische Springkraut wächst bei uns massenweise an den Ufern der Flüsse. Es bildet bis zu 4000 Samen, die sieben Meter weit in die Umgebung gescheudert werden. Und produziert so viel Nektar, dass die Bienen nur noch diese Nahrungsquelle anzapfen und andere Pflanzen leer ausgehen. Alles in allem geht es hier ruhig und zivilisiert zu, im Lindengarten bei einem kalten Getränk erklangen Trompeten- und Posaunentöne, ein Idyll wie zu Kaisers Zeiten. Wieder einmal fiel es mir schwer, mich von der Großstadt mit ihren Reizen, Düften und Angeboten jeder Art zu lösen. Ich hatte an dem Wochenende drei T-Shirts veschwitzt und war ca. 10 Km gelaufen.
Diesmal war es für mich, nach einem Jahr der Eisenbahn-Abstinenz, ein kleines Familientreffen in Frankfurt, das mir diese Gelegenheit bot. Ich war gespannt darauf, wie sich die Verhältnisse bei der deutschen Bahn inzwischen entwickelt hatten. Gottseidank kann ich mir inzwischen die Karte und die Reservierung am Computer ausdrucken, anstatt eine Stunde bei einem überforderten Beamten auf dem Provinzbahnhof zu stehen. Die Kulturbahn zwischen Nagold und Pforzheim war wie immer überfüllt, der Bahnhof Pforzheim immer noch eine gigantische Baustelle. Umsteigen in Karlsruhe und Mannheim, die Fahrt vom Rheintal-Tunnelskandal unberührt. Schön auch, dass ich in meinem neuen Reader selbst dann lesen konnte, wenn ich stehen musste. In Frankfurt Hauptbahnhof, der im Lauf der Jahre schon zur Heimat geworden ist, stürzte mir dann das pulsierende Leben entgegen, Lautsprecher hallten, fremde Sprachen und Gesichter rauschten an mir vorüber. Der Himmel hatte sich inzwischen tintenblau verfärbt, in der Straßenbahn ging das große Plattern los, senkrechte Blitze zischten über den Himmel, dem ohrenbetäubende Donnerschläge folgten. Mein Sohn David bewohnt eine schöne große Wohnung in der Rotlindstraße im Nordend. Es ist das Viertel, in dem philosophische Größen wie Habermas, Adorno und Horkheimer gelebt und gewirkt haben. Was mir an den Großstädten so gefällt (wenn es nicht gerade regnet): die vielen kleinen Geschäfte, Restaurants, Kneipen und Biergärten, überall Menschen, die flanieren oder in den Cafés herumsitzen und plaudern (oder natürlich auf ihre Smartphones starren). Wo sonst gibt es so schöne, frische, saftige und preisgünstige Lammkotletts für den Grill wie beim Türken um die Ecke? Nur in der Großstadt!
Wanderung durch Frankfurt
Am anderen Morgen knallte die Sonne von einem Himmel mit Wattewölkchen. Die Mainmetropole ist von einem inneren und einem äußeren Grüngürtel umgeben. Dank des alternativen Stadtführers "Frankfurt zu Fuß" hatte David jüngst die "Schwandorfer Heide" entdeckt. Inzwischen war auch der Schwager aus Hamburg eingetroffen - mit einem großen geräucherten Aal, Reminiszenz meiner norddeutschen Jugend. Wir fuhren mit der S-Bahn nach Westen Richtung Höchst und wanderten erst einmal durch einen schattigen, pilzreichen Wald. Anders erreicht man das Naturschutzgebiet mit Bus und Straßenbahn: Schwanheimer Düne. Es ist keine wirlich spektakuläre Landschaft, aber ein seltener und erhaltenswerter Naturrraum. Die Düne bildet sich aus dem Mainsand, der hier einst ausgeworfen wurde. Dabei entstand eine Silbergrasgesellschaft mit Pflanzen wie dem Natternkopf, der aus dem Mittelmeerraum eingewandert ist. Dazu Seen und Kiefern, deren Zweige tief herabhängen. Ein Holzbohlenweg führt über das Gelände. Die Schwanheimer Düne (Pfanzen) sei einzigartig in Europa und nur noch in Polen ähnlich zu finden.
Der Weiterweg führt über eine freie Fläche mit Mais- und Sonnenblumenfeldern, bei ca. 29° ganz schön schweißtreibend. Als wir mit hängender Zunge zur Fähre nach Höchst gelangten, hatten wir etwa fünf Kilometer zurückgelegt. Dann ging es das kurze Stück über den Main in die Industriestadt Höchst. Sie hat einen sehr schönen mittelalterlichen Kern mit einem Marktplatz, Rathaus und Renaissanceschloss.
| Die Mainfähre in Höchst |
| Erfrischend: Holunderblütenschorle mit Eis und Pfefferminz |
| Der Marktplatz in Höchst |
| Das Mainufer |
Der Palmengarten
Aber die Wanderung war noch gar nicht zuende. Am nächsten Tag ging es in den Palmengarten, den ich noch von früher her kannte. Der hatte sich gewaltig verändert, nur die Gewächshäuser waren noch in etwa dieselben. Es gab eine fantastische Fotoausstellung (Naturfotograf 2017, bis 27.8.), eine Kette der Dolomiten im Morgenrot zum Beispiel, oder so etwas:
Zu jedem Foto erzählt der jeweilige Fotograf eine Geschichte, wie es zu der Aufnahme kam. Dazu eine Ausstellung über die Neophyten, also die Pflanzen mit Migrationshintergrund, die seit Kolumbus 1492 bei uns eingewandert sind. Wer weiß schon, dass Kartoffeln, Tomaten und Mais aus der Neuen Welt zu uns kamen? Unter diesen Migranten entdeckte ich das indische Springkraut und den Riesen-Bärenklau. Letzterer ist hochgiftig und kann anderen Pflanzen, Tieren und sogar dem Menschen gefährlich werden. Das indische Springkraut wächst bei uns massenweise an den Ufern der Flüsse. Es bildet bis zu 4000 Samen, die sieben Meter weit in die Umgebung gescheudert werden. Und produziert so viel Nektar, dass die Bienen nur noch diese Nahrungsquelle anzapfen und andere Pflanzen leer ausgehen. Alles in allem geht es hier ruhig und zivilisiert zu, im Lindengarten bei einem kalten Getränk erklangen Trompeten- und Posaunentöne, ein Idyll wie zu Kaisers Zeiten. Wieder einmal fiel es mir schwer, mich von der Großstadt mit ihren Reizen, Düften und Angeboten jeder Art zu lösen. Ich hatte an dem Wochenende drei T-Shirts veschwitzt und war ca. 10 Km gelaufen.
Freitag, 9. September 2016
Altweibersommer
O trübe diese Tage nicht
O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
Und unser Winter bricht herein.
Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
Und unser Winter bricht herein.
Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil man's nicht mehr erhoffen mag,
Dass so die Stunde wiederkehrt.
Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;
Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn' uns jede Stunde ganz.
Dass so die Stunde wiederkehrt.
Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;
Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn' uns jede Stunde ganz.
(1819 - 1898), dt. Schriftsteller, Journalist, Erzähler und Theaterkritiker
Samstag, 20. August 2016
Kleine Reisefluchten und Abenteuer
| Portal des Erfurter Doms |
Schnell weiter nach Schmalkalden, bekannt wegen des Schmalkaldischen Krieges. Auch dieser Ort war uns vertraut. Damals ein altes Schloss mit Schlossführer und Geschichten über Iwein, stille, zu stille malerische Gassen, ein Café, ein, zwei Restaurants. Dazu viel über Luther und Geschichte. Diesmal quoll der Ort über vor Tausenden von Touristen. Wie das, an so einem "langweiligen" Platz? Der Grund wurde schnell ersichtlich: Viele neue Hotels und Gaststätten in alten Gemäuern, Eisdielen noch und noch, Andenkenläden, eine Touristenbahn, Schmuck- und Kleidergeschäfte. Das machte einen überaus heiteren und neuartigen Eindruck, dazu noch das bombige Wetter bei 21-23°. Wir quartierten uns im Hotel "Patrizier" aus dem 16. Jahrhundert ein, in einer nicht gerade billigen, aber herzoglich eingerichteten Suite mit Alkoven und imitierten Louis - IV-Stühlen. Beim Abendessen auf dem Marktplatz war der ganze Spuk schon verschwunden, ein kalter Wind kam auf und gegen 22.00 wurden sämtliche Bürgersteige hochgeklappt. Wir tranken Bier in der Suite, hingen aus dem Fenster und lauschten gebannt dem Nachtleben dieser wunderbaren Stadt. Gegenüber hinter einem Fenster saß ein Mensch in einem Flur und schaute anscheinend auf einen Fernseher, der aber nicht zu sehen, redete mit einem Menschen, der nicht zu hören war und verschwand manchmal durch eine Tür. Irgendwann sah man gelbliche Knochen auf dem Boden liegen, aber in Wirklichkeit war das ein schlafender Hund, der nicht mal mit den Pfoten zuckte. Im Zimmer schrie ein Kind, ein anderer Mann wurde sichtbar. Unten auf der Straße näherte sich eine Frau, richtete eine Taschenlampe auf einen Zettel des Nachbarhauses, schrieb etwas auf, leuchtete wieder mit der Taschenlampe, schrieb wieder etwas auf. Dann schaute sie sich vorsichtig um und stöckelte weiter. Eine Fledermaus flog fast in unser Fenster hinein. Mit das Beste am Reisen ist übrigens immer das Hotelfrühstück, die Beeren, Früchte, Yogurts, Brötchen, Säfte, Brotsorten, der Speck und die Rühreier, die Frikadellen, die Wurst und der Käse treiben überall die Zimmerpreise in die Höhe.
Nun waren wir ernsthaft gewillt, die Saale mit ihrem hellen Strande, ihren Burgen, Städten und fremden Menschen zu erreichen. Fuhren endlose Umwege, da überall gesperrt und nicht richtig umgeleitet wurde. Ob die anderen das mit ihren Navis schafften? Offensichtlich nicht, denn es waren genügend gestresste und wütende Gesichter zu sehen. Allerdings wird in Thüringen nicht genötigt beim Autofahren, und auch sonst sind die Menschen sehr zuvorkommend und herzlich. Um es gleich vorwegzunehmen: Wir erreichten die hellen Strände der Saale niemals! Der Thüringer Wald wirkt auf uns verwöhnte Älbler und Schwarzwälder wie ein Holzanbaugebiet. Alternativ landeten wir beim Erfurter Dom, einem gewaltigen Meisterwerk mit gotischer Kathedrale gleich daneben. In Erfurt hatten wir schon zauberhafte Stunden verlebt. Jetzt war es rappelvoll, der Domberg war mit Theatergerüsten, blauen Kunstoffhütten und Kinderrutschen verstellt. Also die Kirchen besichtigt, einen Cappuccino genommen und hurtig die Flucht ergriffen. Weiter ging es zügig nach Süden, alle Schilder über der Saale helle Strände ignoriert, da die Landschaft des Erfurter Beckens flach, grau und staubig wirkte. Einzig der Städte wie Weimar, der Bachstadt Arnstadt, Eisenach und einiger anderer wegen lohnt sich ein Besuch dieser Gegend. Und freie Unterkünfte gibt es auch in der Hauptreisezeit; das beste und beliebteste Essen ist die Thüringer Bratwurst.
| Erfurter Dom |
| Bamberg |
Der Verkehr und die Umleitungen schleuderten uns von einem unbekannten Ort zum anderen. Völlig entkräftet hielten wir im bezaubend-verschlafenen Kurstädtchen Bad Windsheim an, um eine Unterkunft zu suchen. Wieder war es ein herrschaftliches Haus namens "Reichstatt", sehr liebevoll und elegant mit einem Spaliergärtchen und Balkons ausgestattet. In dieser Stadt wurden allerdings schon um 21.30 die Stühle hochgeklappt, und wer wie wir dann noch nicht schlafen gehen will, der muss sich
| Bad Windsheim |
Die letzte Etappe führte durch das Taubertal, nun wieder allmählich der Heimat zu. Flache, bewaldete Bergrücken, Weinterassen, Steinriegel, dann wieder kleine Seen, uralte Gemäuer und Brückenheilige, Schmetterlinge, Blumenwiesen und Ruhe. Allerdings geht die Ruhe so weit, dass die Gasthäuser ihre Köche schon um 13.00 nach Hause schicken, weil eh kaum noch jemand kommt. Das Paradies wird durch Entzug der Lebensgrundlagen, nämlich des Tourismus, erkauft. Und es ist ein wahres Paradies!
| Röttingen |
| Rothenburg o.d. Tauber |
(Beitrag übernommen aus meinem Autorenblog "Schreibteufelchen")
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Sonntag, 31. Juli 2016
Im Reich der Meerengel
| Im Zauberwald |
| Blick auf Nusplingen |
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Sonntag, 29. Mai 2016
Romantische Wege: der Aachtopf
Am vergangenen Mittwoch wollten wir die guten Wetteraussichten nutzen und fuhren auf der Autobahn Stuttgart-Singen hinunter Richtung Bodensee. Wir erwarteten nicht, wirklich dorthinzukommen, denn bekanntlich ist Deutschlands beliebtester See an Feiertagen und in den Ferien rundherum überlaufen. Also eine "Fahrt ins Blaue". Wir kamen zügig voran, nur die großen Schweizer Kisten überholten andere auf halsbrecherische Weise. In ihrem Heimatland dürfen sie nämlich nicht so schnell fahren. Auf der Höhe von Engen begann dann auch der erwartete Stau. Wir verließen die Autobahn und wandten uns Richtung Aach, das uns mit seiner größten Quelle Deutschlands noch von früher her bekannt war. Es ist unglaublich, welche Ruhe und welche Idylle uns dort erwarteten. Alles Wissenswerte über den Aachtopf kann man über die Webseite erfahren: Aach und Aachtopf. Die Besonderheit des Aachtopfes liegt darin, dass hier das Donauwasser, das in Immendingen und Fridingen versickert, in dieser Quelle wieder zutage tritt. Als Radolfzeller Aach fließt es ca. 14 Km zum Bodensee und mündet dort.
Aach liegt erhöht auf einem Bergsporn, mit Staffelgiebelkirche, Pfarrhaus und einem alten, unzugänglichen Schloss. Von hier oben sieht man die Vulkanberge des Hegau und bei klarem Wetter bis zu den schneebedeckten Alpengipfeln. Die Gegend eignet sich zum Wandern, zum Radfahren und für Ausflüge an den Bodensee, nach Messkirch, Pfullendorf, Engen und in die Schweiz.
Man kann in dem Gasthaus direkt am Quelltopf sitzen und kleine Speisen, Eis und Kuchen zu sich
nehmen. Günstige Unterkünfte gibt es im Gasthaus Löwen und in einer Ferienwohnung oben im Ort.
Wenn man wirklich einmal eine Auszeit von der Hektik und dem Stress der Zeit nehmen will, ist man hier gut aufgehoben. Etwas mehr touristische Infrastruktur bietet das nahe Engen. Wir sind diesmal nicht geblieben, sondern weitergefahren nach Messkirch, einer reizvollen Kleinstadt, in der die Herren von Zimmern residierten.Kleine Bemerkung am Rande: Diese Gegend, zusammen mit Schloss Wildenstein im Donautal (ebenfalls Residenz der Herren von Zimmern, dort wurden auch große Teile der berühmten Zimmerschen Chronik geschrieben), inspirierte mich so sehr, dass sie einen Platz in meinem Roman "die Pilgerin von Montserrat" sowie in anderen Romanen gefunden hat.
| Die idyllische Ortsmitte des Städtchens Aach |
| Blick von Aach in den Hegau |
Aach liegt erhöht auf einem Bergsporn, mit Staffelgiebelkirche, Pfarrhaus und einem alten, unzugänglichen Schloss. Von hier oben sieht man die Vulkanberge des Hegau und bei klarem Wetter bis zu den schneebedeckten Alpengipfeln. Die Gegend eignet sich zum Wandern, zum Radfahren und für Ausflüge an den Bodensee, nach Messkirch, Pfullendorf, Engen und in die Schweiz.
| So schön wohnt man dort! |
| Das Brunnenhaus. Bis 1756 wurde das Wasser mit Kübeln und Zuber aus "Sales Brünnele" an der Aach herausfgeholt. |
| Hier geht es noch sehr gemütlich zu. Hühner, Gänse und Enten tummeln sich, meist nur wenige Touristen |
| Das Sarah-Loch am Ende des Aachtopfes, in dem der Teufel aus Wut verschwunden sei |
| Der Aachtopf mit Gasthaus. Ein Weg führt um die Karstquelle herum und hinauf zu einer mittelalterlichen Burg und zwei großen Dolinen (Einbrüche des Bodens) |
nehmen. Günstige Unterkünfte gibt es im Gasthaus Löwen und in einer Ferienwohnung oben im Ort.
Wenn man wirklich einmal eine Auszeit von der Hektik und dem Stress der Zeit nehmen will, ist man hier gut aufgehoben. Etwas mehr touristische Infrastruktur bietet das nahe Engen. Wir sind diesmal nicht geblieben, sondern weitergefahren nach Messkirch, einer reizvollen Kleinstadt, in der die Herren von Zimmern residierten.Kleine Bemerkung am Rande: Diese Gegend, zusammen mit Schloss Wildenstein im Donautal (ebenfalls Residenz der Herren von Zimmern, dort wurden auch große Teile der berühmten Zimmerschen Chronik geschrieben), inspirierte mich so sehr, dass sie einen Platz in meinem Roman "die Pilgerin von Montserrat" sowie in anderen Romanen gefunden hat.
| Eingang zum Renaissanceschloss der Herren von Zimmern |
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