Freitag, 8. März 2019

Bad Wildbad an der Enz




Wildbad an der Wilden Enz





Aus Ludwig Uhlands Balladen erfährt man, dass Württembergs hohe Herren bereits im Mittelalter dieses Bad aufsuchten, „um ihre gichtgepeinigten Gliedmaßen zu pflegen.“ Badeordnung um 1549: Erstlich soll kein Badegast mit einem nassen, sondern mit einem trockenen Badhemd eingehen ...“ Aus dem gleichen Jahr 1549 eine Wirtordnung: „Item 1 Voressen um 4 Heller, Brühe und Fleisch um 4 Heller, 1 paar gesottene Eier um 3 Heller, ein Gemüse um 2 Heller.“ Nur hier sprudeln im Übrigen heiße Quellen, während in anderen Bädern das Wasser erwärmt werden muss. Bad Wildbad hat von jeher einen besonderen Bezug zu dem berühmten italienischen Komponisten Rossini gehabt, der 1856 einige Wochen im Ort verbrachte und in den Thermen neue Energie tankte. Ein Jahr später - nach jahrzehntelanger Unterbrechung - begann Rossini wieder zu komponieren. Eine reizvolle kleine Plastik am Ufer der Enz zeigt Rossini mit schmerzgekrümmten Rücken. Mit der Thermallandschaft wurde ein „Badetempel“ geschaffen, der die angenehmen Seiten des Wassers mit einer Raumgestaltung verbindet, die an sakrale Vorbilder erinnert. Man schwimmt unter den Kuppeln der Gesellschaftsbäder oder lässt sich treiben. Eine Venus, kleine Massagebecken und mit Skulpturen versehene Sitzbecken ergeben zusammen mit den farbigen Fenstern eine großartige Atmosphäre. Ein kleines Bademuseum gibt einen Überblick über die Wildbader Badegeschichte.12 Thermalpools als Whirlpools stehen für die Gäste bereit, Massagebecken, Sprudelbecken, Bewegungs- und Kaltbecken, mehrere Solarien, Schwallduschen, Wärmebänke, 4 finnische Saunen 75 - 95°C mit und ohne Aufguss, ein Römisches Dampfbad, Fürstensuiten zum Ruhen, Tauchbecken, Cafeteria, Bar, Kneippsche Fußbecken, Wellnessanwendungen, Klangmeditationen und: Baden mit und ohne Badebekleidung ist möglich. Fühlt man sich gestärkt durch die Anwendung des Wassers, kann man sich im wunderschönen Kurpark ergehen. Er wurde 1699 durch Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg gebaut, zunächst als eine Hainbuchenallee entlang der Enz. Daraus entwickelt sich ein Park mit 15Km Wegenetz, wobei man die steilen Hänge zu beiden Seiten der Enz natürlich integrierte. Es gibt beschauliche Plätze wie den "Rosengarten", den "Schwanensee" mit weißen und schwarzen Schwänen, die "Englische Kirche", den "Maurischen Pavillon" oder das "Schwarzwälder Mühlrad". Aktive Gäste finden hier Tennisplätze, einen Radweg, Nordic Walking-Strecken und für die Kinder einen Matschplatz mit Barfußpfad. Selbst im Winter ist der Besuch des Parks entdeckungsreich, wenn das Wasser der Enz fast schwarz über die Steine sprudelt und gelbe Blätter auf der Oberfläche treiben. Der Kurpark ist immer geöffnet. Die Endhaltestelle der Stadtbahn S6 endet am Kurparkeingang. Es gibt auch weniger bekannte kleine Wege, die oberhalb vom Rosengarten beginnen, mit Springbrunnen und Marmorfiguren. Die Sommerberg-Bahn transportiert ihre Gäste vom Uhlandplatz in weniger als zehn Minuten zum beliebten Ausflugsziel und Wohngebiet Sommerberg, dort gibt es Rad- und Wanderwege, die bis zum Wildseemoor führen. Die Aussicht auf Stadt und bewaldete Berge ist fantastisch. Einige Höhenrestaurants sorgen für das leibliche Wohl. 
Im Park lässt sich die Enz auf zahlreichen Brücken überqueren, das Bürgerhaus, mit herrlicher Jugendstilausschmückung, prächtigen, holzvertäfelten Säulen sowie einem kleinen Kutschenmuseum  runden den Besuch der Badestadt ab. Nach Baden-Baden, der großen Schwester, kann man immer noch fahren, es ist ja nicht weit. Doch Wildbad ist nicht nur eine Erholungs-, sondern auch eine Fest-, Einkaufs- und kulinarische Stadt. Alljährlich im Juli strömen die Musikfreunde hierher, wenn das Belcanto-Festival "Rossini in Wildbad" stattfindet. Die S-Bahn verkehrt zwischen Karlsruhe und Bad Wildbad, hat ihren Endhaltepunkt direkt vor dem Kurpark. Einkaufen und schlemmen kann der Gast überall. Besonders zu erwähnen sind die Geschäfte mit Schwarzwälder Schinken und geräucherten Schäufele, Schwarzwälder Honig und die Confiserien mit allerlei leckeren Pralinen. Wer nicht über eine Kurverordnung nach Wildbad kommt, kann auch die Pauschalen in Anspruch nehmen, die 2-3 Tage umfassen. Zum Beispiel eine Thermen-Pauschale, einen Enztal Mini-Trip oder „Abenteuer Natur im Enztal“ mit Besuch des Wald-Klettergartens und der Hochmoore.


Auf über 3.000qm bietet Enzklösterle zentral in der Ortsmitte einen völlig neuen, innovativen Adventure Golfpark. Die 18 Bahnen sind an die natürliche Umgebung angepasst. 
 Neuenbürg im wildromantischen Tal der Enz mit Besucherbergwerk und Schloss. Im Schloss befindet sich das Wilhelm-Hauff-Museum mit einem begehbaren Film „Das kalte Herz.“

Schließlich und endlich wäre noch der Enztalradweg zu erwähnen, der von der Quelle der Enz  bis zu ihrer Mündung in den Neckar führt, die Goldschmuckstadt Pforzheim und die Sommerrodelbahn in Poppental. Neueste und momentan wohl stärkste Attraktion ist die Hängebrücke "Wild Line" - ein Höhenabenteuer im nördlichen Schwarzwald! https://www.bad-wildbad.de/wildline/wildline/


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Mittwoch, 28. November 2018

Peter Wohlleben: Der mit dem Wald spricht

Eigenes Foto: Oktober 2018 auf der schwäbischen Alb
Gestern kam die vorerst letzte Sendung über den Bestseller-Autor und Förster Peter Wohlleben: Diesmal war er mit Cordula Stratmann und Mickey Beisenherz unterwegs im Soonwald im Hunsrück. Nach den vorhergehenden Sendungen wieder ein absolutes Highlight! Zitterpappeln, die ihre Kinder in die umliegenden Wiesen schicken, Bäume, die ihren Unrat abwerfen und ihn dann mit Blätter-Klopapier abdecken, Baum-Familien, Hute-Eichen und eine Übernachtung bei 2° und einem eisigen Wind ...alle Folgen, unter anderem mit Denis Scheck, Sven Plöger, Pierre M. Krause usw. können noch ein Jahr lang in der Mediathek abgerufen werden.



Sonntag, 30. September 2018

Im Herbst

Vor ein paar Tagen sind wir über die Hochfläche gelaufen, die sich über dem Tal der Steinach
erstreckt. Unten liegen das Dorf und die kleine Stadt, in denen wir leben. Die Landschaft ist vielfältig, man kann die schwäbische Alb als ferne blaue Mauer sehen und die Höhen des Schwarzwaldes mit den sich drehenden Spargeln. Einmal ist uns in der beginnenden Nacht eine große Eule entgegengeflogen. Heute dominieren die Herbstfarben, vergilbende Sonnenblumen, weiße Stiele der abgeernteten Maisfelder, dicke, zwanzig Meter lange Spinnenfäden segeln durch die Luft. Ein Schwarm von Staren kreischt in einer alten Kiefer, sie warnen vor uns, erheben sich wie eine riesige Wolke in die Luft und fallen von hinten wieder ein. Da kommt ein Mann mit einem Jagdhund, es ist ein freundlicher Hund. Er berichtet, dass er Jäger ist und nach einer Rotte Schwarzwild sucht, die sich hinten im Wald versteckt, die verwüsten die Felder der Bauern. Ja, er wird auch das eine oder andere Wildschwein abschießen. Wir wandern weiter, in einem Pferch stehen Schafe mit halbwüchsigen Lämmern. Die sind voller Ruhe, sie tun nichts als weiden und ihren Nachwuchs aufziehen. Es ist ein absoluter Einklang, hier stört nichts die Natur und die Menschen, die sich darin bewegen. Und es gibt ein schönes Herbstgedicht von Turgenjew, das mir gut zu passen scheint.

Iwan S. Turgenjew (1818-1883)

Ich lieb den Herbst

Ich lieb den Herbst, im Blicke Trauer.
In stillen Nebeltagen geh
Ich oft durch Fichtenwald und seh
Vor einem Himmel, bleich wie Schnee,
Durch Wipfel wehen dunkle Schauer.
Ich lieb, ein herbes Blatt zu Brei
Zu kauen, lächeln zu zerstören
Den Traum, dem wir so gern gehören.
Fern des Spechtes scharfer Schrei!
Das Gras schon welk...schon starr vor Kühle,
Von hellen Schleiern überhaucht.
In mir das Weben der Gefühle,
Das Herz in Bitternis getaucht...
Soll ich Vergangenes nicht beschwören?
Soll, was da war, nie wieder sein?
Die Fichten nicken dunkel, hören
Gelassen zu und flüstern Nein.
Und da: ein ungeheures Lärmen,
Ein Ineinanderwehn von Zweigen,
Ein Rauschen wie von Vogelschwärmen,
Die, einem Ruf gehorchend, steigen.

Sonntag, 29. April 2018

Frühlingstage

Hinweis: Dieser Blog wird gerade in Bezug auf das neue Datenschutzgesetz (DSGVO), das am 25.Mai 2018 endgültig in Kraft tritt, überarbeitet. Aber nebenher läuft das ganz normale Schreiberleben weiter. Während ich der Veröffentlichung meines Buches "Martinsmorde" entgegensehe (E-Book voraussichtlich im Juli, Printbuch im September), genießen wir das anhaltend schöne Wetter, um Ausflüge, Städtetouren und Wanderungen zu unternehmen. Vor einer Woche waren wir noch einmal im Taubertal, zwischen Tauberbischofsheim und Wertheim diesmal, hier in der Umgebung wandern wir in der Umgebung des Neckartals und auf der schwäbischen Alb. Der Betrieb meiner beiden Blogs geht normal weiter, weitere Bilder und Beschreibungen folgen in Kürze.





Mittwoch, 30. August 2017

Der Wiesenweg am Irrenberg

  Wanderung über die schwäbische Alb

Wieder stöhnten die Menschen unter Temperaturen um die 30°. Auf den Hochfächen der Alb waren es noch gerade 25°. Eine unserer liebsten Traufwege ist der Wiesenweg, den wir schon vor mehr als zwanzig Jahren entdeckten. Inzwischen gehört er zu den Traufgängen und damit zu einem der vielen Premium-Wanderwege der schwäbischen Alb. Es geht los am Wanderparkplatz Zitterhof oberhalb von Bisingen bei Balingen. Zunächst durchqueren wir eine heiße Gasse, flankiert von übermannsgroßen Maisfeldern. Dann geht es scharf nach rechts dem Waldrand zu. Am schönsten ist diese Wanderung im Frühling, jedoch bieten auch der Sommer und der Herbst immer neue Abwechslung an Farben und Vegetation. Einmal haben wir sogar im Winter auf einer Bank mit Aussicht gevespert. Am eindrucksvollsten ist hier stets der Himmel, der so nah scheint wie sonst nur in Oberschwaben. Bald tauchen wir unter das Blätterdach des Traufs (das ist ein Weg entlang am Abgrund, also an der Kante des Gebirges). Nach einiger Zeit erreichen wir den Gedenkstein an eine Bäuerin, die im Jahr1889 an dieser Stelle abstürzte.

Meine Nachforschungen ergaben, dass es die Bäuerin vom Zitterhof war, die von Bisingen heraufkam und sich im Nebel verirrte. Sie hatte Bekannte oder Verwandte besucht. Das Schicksal dieser Frau ist uns seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen, gab sogar Anlass für Kurzgeschichten und Romanfiguren. Bald erreichen wir den Aussichtspunkt auf den Hohenzollern, mit zwei normalen Bänken und einer Wohlfühlbank.

Burg Hohenzollern, vom Irrenberg aus gesehen
Gesicht, in einen Baum geschnitzt

Auf dem Weiterweg gelangen wir zu einem Hochbehälter und zum Naturschutzgebiet Hundsrücken. Hier findet man im Frühjahr die blauen Frühlingsenziane, seltene Orchideen, später u.a. die Trollblume mit den gelben kugeligen Blütenköpfen. Das Größte aber ist der Himmel, das Nachhaltigste ist die Stille, die uns umgibt. Auch auf dem geteerten Rückweg (Abkürzung, 5 Km), auf dem nur wenige Radfahrer und Wanderer unterwegs sind. Der Entspannungs- und Erfahrungswert solcher Wanderungen ist meiner Ansicht nach höher als das Ansteuern von exotischen Zielen, das ja immer mit dem zivilisatorischen Stress verbunden ist. Es sei denn, man erkundet fremde Länder auf nachhaltige Art, anstatt am deutschen Pool Caipirinhas zu süffeln.



Frankfurt zu Fuß - eine Wanderung

Daheim sterben die Leut’ - dieser Film aus den achtziger Jahren fällt mir ein, wenn ich mir ein mögliches Motto für mein Leben überlege. Dabei ist der Titel eher irreführend. Denn ich denke dabei daran, dass man versauert, verbauert, verhockt und mit Spinnweben überzogen wird, wenn man nicht innerlich und äußerlich mobil bleibt. Der filmdienst schrieb damals, der Streifen sei ein kaleidoskopartiger, ideenreicher Heimatfilm von boshaftem Charme. Für mich bedeutet es die uns innewohnende Möglichkeit, unseren Krötenbrunnen von Zeit zu Zeit zu verlassen und über dem Rand neue Ausblicke auf die Welt zu erhalten. Nicht vergessen sollte man auch, dass das extreme Fehlen von äußeren Reizen zu sensorischer Deprivation führen kann, in den meisten Fällen aber zu gähnender Langeweile in den eigenen vier Wänden.

Diesmal war es für mich, nach einem Jahr der Eisenbahn-Abstinenz, ein kleines Familientreffen in Frankfurt, das mir diese Gelegenheit bot. Ich war gespannt darauf, wie sich die Verhältnisse bei der deutschen Bahn inzwischen entwickelt hatten. Gottseidank kann ich mir inzwischen die Karte und die Reservierung am Computer ausdrucken, anstatt eine Stunde bei einem überforderten Beamten auf dem Provinzbahnhof zu stehen. Die Kulturbahn zwischen Nagold und Pforzheim war wie immer überfüllt, der Bahnhof Pforzheim immer noch eine gigantische Baustelle. Umsteigen in Karlsruhe und Mannheim, die Fahrt vom Rheintal-Tunnelskandal unberührt. Schön auch, dass ich in meinem neuen Reader selbst dann lesen konnte, wenn ich stehen musste. In Frankfurt Hauptbahnhof, der im Lauf der Jahre schon zur Heimat geworden ist, stürzte mir dann das pulsierende Leben entgegen, Lautsprecher hallten, fremde Sprachen und Gesichter rauschten an mir vorüber. Der Himmel hatte sich inzwischen  tintenblau verfärbt, in der Straßenbahn ging das große Plattern los, senkrechte Blitze zischten über den Himmel, dem ohrenbetäubende Donnerschläge folgten. Mein Sohn David bewohnt eine schöne große Wohnung in der Rotlindstraße im Nordend. Es ist das Viertel, in dem philosophische Größen wie Habermas, Adorno und Horkheimer gelebt und gewirkt haben. Was mir an den Großstädten so gefällt (wenn es nicht gerade regnet): die vielen kleinen Geschäfte, Restaurants,  Kneipen und Biergärten, überall Menschen, die flanieren oder in den Cafés herumsitzen und plaudern (oder natürlich auf ihre Smartphones starren). Wo sonst gibt es so schöne, frische, saftige und preisgünstige Lammkotletts für den Grill wie beim Türken um die Ecke? Nur in der Großstadt!

                                             Wanderung durch Frankfurt

Am anderen Morgen knallte die Sonne von einem Himmel mit Wattewölkchen. Die Mainmetropole ist von einem inneren und einem äußeren Grüngürtel umgeben. Dank des alternativen Stadtführers "Frankfurt zu Fuß" hatte David jüngst die "Schwandorfer Heide" entdeckt. Inzwischen war auch der Schwager aus Hamburg eingetroffen - mit einem großen geräucherten Aal, Reminiszenz meiner norddeutschen Jugend. Wir fuhren mit der S-Bahn nach Westen Richtung Höchst und wanderten erst einmal durch einen schattigen, pilzreichen Wald. Anders erreicht man das Naturschutzgebiet mit Bus und Straßenbahn: Schwanheimer Düne.  Es ist keine wirlich spektakuläre Landschaft, aber ein seltener und erhaltenswerter Naturrraum. Die Düne bildet sich aus dem Mainsand, der hier einst ausgeworfen wurde. Dabei entstand eine Silbergrasgesellschaft mit Pflanzen wie dem Natternkopf, der aus dem Mittelmeerraum eingewandert ist. Dazu Seen und Kiefern, deren Zweige tief herabhängen. Ein Holzbohlenweg führt über das Gelände. Die Schwanheimer Düne (Pfanzen) sei einzigartig in Europa und nur noch in Polen ähnlich zu finden.

                                        
Der Weiterweg führt über eine freie Fläche mit Mais- und Sonnenblumenfeldern, bei ca. 29° ganz schön schweißtreibend. Als wir mit hängender Zunge zur Fähre nach Höchst gelangten, hatten wir etwa fünf Kilometer zurückgelegt. Dann ging es das kurze Stück über den Main in die Industriestadt Höchst. Sie hat einen sehr schönen mittelalterlichen Kern mit einem Marktplatz, Rathaus und  Renaissanceschloss.
Die Mainfähre in Höchst

Erfrischend: Holunderblütenschorle mit Eis und Pfefferminz

Der Marktplatz in Höchst
Vom Römer aus ging die Wanderung dann später noch weiter - durch eine Stadt, in der gefühlte Millionen von Menschen feierten. Die Paulskirche daneben, in der die deusche Demokratie 1848 ihren Anfang nahm. Das schöne Mainufer mit den Museen auf der anderen Seite, auf dem man stundenlang wandern kann. Abendessen im Nizza- Bereich, Vitello Tonnato  beim Italiener, später dann ein friedlicher Absacker in einer Kneipe der Rotlindstraße.
Das Mainufer


                                                                Der Palmengarten

Aber die Wanderung war noch gar nicht zuende. Am nächsten Tag ging es in den Palmengarten, den ich noch von früher her kannte. Der hatte sich gewaltig verändert, nur die Gewächshäuser waren noch in etwa dieselben. Es gab eine fantastische Fotoausstellung (Naturfotograf 2017, bis 27.8.), eine Kette der Dolomiten im Morgenrot zum Beispiel, oder so etwas:


Zu jedem Foto erzählt der jeweilige Fotograf eine Geschichte, wie es zu der Aufnahme kam. Dazu eine Ausstellung über die Neophyten, also die Pflanzen mit Migrationshintergrund, die seit Kolumbus 1492 bei uns eingewandert sind. Wer weiß schon, dass Kartoffeln, Tomaten und Mais aus der Neuen Welt zu uns kamen? Unter diesen Migranten entdeckte ich das indische Springkraut und den Riesen-Bärenklau. Letzterer ist hochgiftig und kann anderen Pflanzen, Tieren und sogar dem Menschen gefährlich werden. Das indische Springkraut wächst bei uns massenweise an den Ufern der Flüsse. Es bildet bis zu 4000 Samen, die sieben Meter weit in die Umgebung gescheudert werden. Und produziert so viel Nektar, dass die Bienen nur noch diese Nahrungsquelle anzapfen und andere Pflanzen leer ausgehen. Alles in allem geht es hier ruhig und zivilisiert zu, im Lindengarten bei einem kalten Getränk erklangen Trompeten- und Posaunentöne, ein Idyll wie zu Kaisers Zeiten. Wieder einmal fiel es mir schwer, mich von der Großstadt mit ihren Reizen, Düften und Angeboten jeder Art zu lösen. Ich hatte an dem Wochenende drei T-Shirts veschwitzt und war ca. 10 Km gelaufen.

Freitag, 9. September 2016

Altweibersommer






                                         

O trübe diese Tage nicht

              O trübe diese Tage nicht,
 Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
   Und unser Winter bricht herein.

   Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
    Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil man's nicht mehr erhoffen mag,
Dass so die Stunde wiederkehrt.

Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn' uns jede Stunde ganz.
(1819 - 1898), dt. Schriftsteller, Journalist, Erzähler und Theaterkritiker

Samstag, 20. August 2016

Kleine Reisefluchten und Abenteuer

Portal des Erfurter Doms
Kaum waren wir zurück von einem mehrtägigen Kulturtripp, meldete das Fernsehen, dass eine halbe Million Besucher auf der Gamescom  in Köln gewesen sei. Youtube-Filmemacher würden gefeiert wie Popstars, und mit neuen speziellen 3D-Brillen könne man in nie gesehene Parallelwelten eintauchen. Ich kann das sehr gut verstehen, dass man neue, aufregende Parallelwelten braucht, wenn die reale Welt so grau und langweilig geworden ist! Und ich sehe auch Übereinstimmungen bei der alten und der jungen Generation. Der Mensch braucht mehr als körperliche Versorgung, Beschäftigung und Zuwendung, nämlich Abwechslung und Anregung, um nicht in lähmende Gewöhnung zu verfallen. Ich selbst lebe ja seit langen Jahren in der Parallelwelt des Schreibens und des virtuellen Austauschs. Und bekanntlich versuche ich auch seit langen Jahren, immer wieder daraus hervorzubrechen und die bald verlorenen letzten Paradiese zu finden. Auch in einer übervölkerten autobesessenen Nation musste es doch möglich sein, ein paar Orte zu entdecken, an denen die berühmte Seele noch ein wenig baumeln kann. Und wo man etwas anderes erlebt als an den übrigen 360 Tagen des Jahres. Es war der gefühlte zehnte Versuch. Tasche gepackt, raus aus dem Haus auf die Autobahn. Ziel: Die unbekannte Saale, mit ihrer anderen Landschaft, fremden Städten, Burgen und Menschen. Innerhalb dreier Stunden erreichten wir Meiningen in Thüringen. Dorther stammt der Urvater meiner Familie, ein Gastwirt zum Wilden Mann namens Luz, verbürgt für das Jahr 1521. Er dürfte den Bauernkrieg noch erlebt, wenn nicht überlebt haben. Beim ersten Besuch dieser Stadt (vor acht Jahren) gelangten wir auf einen weiten Platz mit einer Kirche und einem Rathaus. Außer ein paar angetrunkenen Jugendlichen befand sich niemand dort, zu essen bekamen wir irgendetwas Grauenhaftes von einem Chinesen. Aber es lag ein etwas angestaubter Zauber über diesem Ort. Diesmal kamen wir gar nicht erst hinein, alles voller Baustellen und umherirrender Autos.

Schnell weiter nach Schmalkalden, bekannt wegen des Schmalkaldischen Krieges. Auch dieser Ort war uns vertraut. Damals ein altes Schloss mit Schlossführer und Geschichten über Iwein, stille, zu stille malerische Gassen, ein Café, ein, zwei Restaurants. Dazu viel über Luther und Geschichte. Diesmal quoll der Ort über vor Tausenden von Touristen. Wie das, an so einem "langweiligen" Platz? Der Grund wurde schnell ersichtlich: Viele neue Hotels und Gaststätten in alten Gemäuern, Eisdielen noch und noch, Andenkenläden, eine Touristenbahn, Schmuck- und Kleidergeschäfte. Das machte einen überaus heiteren und neuartigen Eindruck, dazu noch das bombige Wetter bei 21-23°. Wir quartierten uns im Hotel "Patrizier" aus dem 16. Jahrhundert ein, in einer nicht gerade billigen, aber herzoglich eingerichteten Suite mit Alkoven und imitierten Louis - IV-Stühlen. Beim Abendessen auf dem Marktplatz war der ganze Spuk schon verschwunden, ein kalter Wind kam auf und gegen 22.00 wurden sämtliche Bürgersteige hochgeklappt. Wir tranken Bier in der Suite, hingen aus dem Fenster und lauschten gebannt dem Nachtleben dieser wunderbaren Stadt. Gegenüber hinter einem Fenster saß ein Mensch in einem Flur und schaute anscheinend auf einen Fernseher, der aber nicht zu sehen, redete mit einem Menschen, der nicht zu hören war und verschwand manchmal durch eine Tür. Irgendwann sah man gelbliche Knochen auf dem Boden liegen, aber in Wirklichkeit war das ein schlafender Hund, der nicht mal mit den Pfoten zuckte. Im Zimmer schrie ein Kind, ein anderer Mann wurde sichtbar. Unten auf der Straße näherte sich eine Frau, richtete eine Taschenlampe auf einen Zettel des Nachbarhauses, schrieb etwas auf, leuchtete wieder mit der Taschenlampe, schrieb wieder etwas auf. Dann schaute sie sich vorsichtig um und stöckelte weiter. Eine Fledermaus flog fast in unser Fenster hinein. Mit das Beste am Reisen ist übrigens immer das Hotelfrühstück, die Beeren, Früchte, Yogurts, Brötchen, Säfte, Brotsorten, der Speck und die Rühreier, die Frikadellen, die Wurst und der Käse treiben überall die Zimmerpreise in die Höhe.

Nun waren wir ernsthaft gewillt, die Saale mit ihrem hellen Strande, ihren Burgen, Städten und fremden Menschen zu erreichen. Fuhren endlose Umwege, da überall gesperrt und nicht richtig umgeleitet wurde. Ob die anderen das mit ihren Navis schafften? Offensichtlich nicht, denn es waren genügend gestresste und wütende Gesichter zu sehen. Allerdings wird in Thüringen nicht genötigt beim Autofahren, und auch sonst sind die Menschen sehr zuvorkommend und herzlich. Um es gleich vorwegzunehmen: Wir erreichten die hellen Strände der Saale niemals! Der Thüringer Wald wirkt auf uns verwöhnte Älbler und Schwarzwälder wie ein Holzanbaugebiet. Alternativ landeten wir beim Erfurter Dom, einem gewaltigen Meisterwerk mit gotischer Kathedrale gleich daneben. In Erfurt hatten wir schon zauberhafte Stunden verlebt. Jetzt war es rappelvoll, der Domberg war mit Theatergerüsten, blauen Kunstoffhütten und Kinderrutschen verstellt. Also die Kirchen besichtigt, einen Cappuccino genommen und hurtig die Flucht ergriffen. Weiter ging es zügig nach Süden, alle Schilder über der Saale helle Strände ignoriert, da die Landschaft des Erfurter Beckens flach, grau und staubig wirkte. Einzig der Städte wie Weimar, der Bachstadt Arnstadt, Eisenach und einiger anderer wegen lohnt sich ein Besuch dieser Gegend. Und freie Unterkünfte gibt es auch in der Hauptreisezeit; das beste und beliebteste Essen ist die Thüringer Bratwurst.
Erfurter Dom
Bamberg
Eine relativ freie Autobahn brachte uns in immer grünere Gefilde. Fichtelgebirge, Frankenwald, Bayreuth, Kulmbach, ein Abstecher ins feierabendliche, pulsierende, Bamberg, das wie ein begehbares Mittelalter wirkt. 

Der Verkehr und die Umleitungen schleuderten uns von einem unbekannten Ort zum anderen. Völlig entkräftet hielten wir im bezaubend-verschlafenen Kurstädtchen Bad Windsheim an, um eine Unterkunft zu suchen. Wieder war es ein herrschaftliches Haus namens "Reichstatt", sehr liebevoll und elegant mit einem Spaliergärtchen und Balkons ausgestattet. In dieser Stadt wurden allerdings schon um 21.30 die Stühle hochgeklappt, und wer wie wir dann noch nicht schlafen gehen will, der muss sich
Bad Windsheim
mit einer Bar begnügen, in der die Dartpfeile flogen und kichernde Mädchen vor der Tür rumhingen, bis der Besitzer kam und zur Ruhe mahnte, was auch sogleich befolgt wurde. Auch in diesem Hotel das traumhafte Frühstück, bereichert durch diverse Salate. Ein Rundgang am sonnigen Morgen bestätigte den Einduck: ein wunderschönes fränkisches Städtchen mit unverdorbenem Lebensstil und netten Menschen. Wer Ruhe sucht, wird sie dort ganz gewiss finden!

Die letzte Etappe führte durch das Taubertal, nun wieder allmählich der Heimat zu. Flache, bewaldete Bergrücken, Weinterassen, Steinriegel, dann wieder kleine Seen, uralte Gemäuer und Brückenheilige, Schmetterlinge, Blumenwiesen und Ruhe. Allerdings geht die Ruhe so weit, dass die Gasthäuser ihre Köche schon um 13.00 nach Hause schicken, weil eh kaum noch jemand kommt. Das Paradies wird durch Entzug der Lebensgrundlagen, nämlich des Tourismus, erkauft. Und es ist ein wahres Paradies!
Röttingen
In Röttingen, von einer alten Stadtmauer umschlossen, gibt es Tore und Winkel, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Und alles überschattet von dem großen, uns sehr bekannten Rothenburg, das von Bussen und Touristen aus aller Welt tagtäglich zu Tausenden gestürmt wird. Man muss nur ein paar Schritte hinuntergehen und steht in einem Tal mit einem Himmel, der weiter und höher wirkt als der unsrige. Nicht umsonst hat der Dichter Eduard Mörike Bad Mergentheim zum Wohnsitz erwählt, denn im Tauberta sei das Klima günstiger. Hier regne es viel weniger als anderswo, erklärte uns heiter ein Mann, deshab gedeihe auch der Win so gut. Dort sollte man ein Häuschen haben, im Garten sitzen, nachdenken, schreiben, basteln, kochen, radfahren, mit dem Nachbarn schwätzen und ab und zu in die große laute Welt eintauchen, die reale und die virtuelle. Und sich dazwischen hin - und herbewegen wie ein Aal im glasklaren Bach. Oder wie ein Vogel, der ohen Rücksicht auf heimatliche Bande immer wieder nach Süden fliegt.

Rothenburg o.d. Tauber

(Beitrag übernommen aus meinem Autorenblog "Schreibteufelchen")




Sonntag, 31. Juli 2016

Im Reich der Meerengel

Eine sehr schöne und informative Wanderung führt über den Westerberg oberhalb von Nusplingen/Bäratal/Schwäbische Alb. Der insgesamt 10 Kilometer lange Wanderweg wurde 2005 eingeweiht. Auf dem Lehrpfad kann man sich in die Jura-Zeit vor 150 Millionen Jahren zurückversetzen, als sich hier eine Inselwelt mit einer tropischen Lagune befand. Dort gab es Meereskrokodile, Flugsaurier, Ammoniten (Tintenfische), rochenartige Meerengel und Krebse. Siehe zum Hintergrund: Im Reich der Meerengel. Eine einmalige Tour für Naturliebhaber und für geologisch Interessierte! Wir beginnen die Tour am liebsten auf dem Wanderparkplatz Laisenberg oberhalb von Nusplingen. Nach einigen 100m in Richtung Westen zweigt ein Weg nach rechts ab, der uns zum Steinbruch führt. Hier erhalten wir interessante Informationen zu dem Gebiet wie auch an vielen anderen Stellen. Allerdings darf man nicht selbst nach Fossiien suchen. Wir durchqueren Wiesen, die im Sommer voller Blüten stehen die Grillen zirpen und Schmetterlinge gaukeln herum. Es duftet nach Erde und Heu. Man muss eigentlich nur noch den Hinweistafeln folgen - eine übersichtliche Wanderkarte befindet sich im Link. Später folgt eine Anhöhe mit der Darstellung der Lagune. Der Rückweg führt durch einen schattigen Mischwald mit weiteren Aussichtspunkten und einem Abstecher zum Tnnenfelsen, auf dem früher ein Schloss gestanden haben soll. Ich stelle die einzelnen Punkte hier anhand von Fotos mit kurzen Erläuterungen vor. Einkehrmöglichkeiten in Nusplingen. Anfahrt: Von Balingen Richtung Sigmaringen. in Nusplingen den Hinweistafeln folgen.










Im Zauberwald

Blick auf Nusplingen